Wirtschaft : Börse wettet gegen Telekom-Vorstand Tenzer

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Berlin (mot). Die T-Aktie ist am Tag vor der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Telekom stark unter Druck geraten. Bis zum Abend sank der Kurs um 10,7 Prozent auf 10,84 Euro. Damit gab die Aktie, die von den Spekulationen über eine Ablösung von Vorstandschef Ron Sommer profitiert hatte, einen großen Teil der Gewinne aus der Vorwoche – gut 17 Prozent – wieder ab. Unterdessen bekräftigten am Montag große deutsche Investment-Gesellschaften ihre Forderung nach einem Kurswechsel im Management der Telekom.

Der Einbruch des Telekom-Papiers belastete auch den Deutschen Aktienindex, der zuletzt mit 3,4 Prozent bei 3992 Punkten im Minus lag. Begründet wurden die Verluste der T-Aktie mit der erwarteten Ernennung des bisherigen Technik-Vorstands Gerd Tenzer zum Nachfolger von Ron Sommer. „Der Markt spricht Tenzer ein deutliches Misstrauensvotum aus“, sagte ein Beobachter. „Wenn die Börse den Rücktritt Sommers feiert und seinen möglichen Nachfolger vorab bestraft, dann läuft irgendetwas schief.“ Tenzer werde am Markt allgemein als Übergangslösung betrachtet, der die Diskussion um die Telekom möglichst schnell beenden solle.

Deutschlands drittgrößte Investmentgesellschaft, die Union Fonds-Holding, forderte den Telekom-Vorstand zu einem „grundlegenden und nachhaltigen Kurswechsel“ auf. Union hält rund 1,5 Prozent der Telekom-Aktien und hatte auf der letzten Hauptversammlung dem Telekom-Vorstand die Entlastung verweigert, weil das Management eine „ausreichend gewinnorientierte Strategie“ vermissen lasse. „Es geht nicht mehr um Größe und technische Machbarkeit, sondern um eine klare Ertragsorientierung der Telekom“, sagte Union-Sprecher Rolf Drees. „Wir wollen wissen, wann sich Abenteuer wie Voicestream und UMTS auszahlen – und zwar kurzfristig.“ Tenzer dürfe als Sommer-Nachfolger zwar „nicht in Sippenhaft“ genommen werden, als Technik-Vorstand fehle ihm aber die nötige Nähe zum Finanzmarkt.

„Wir können mit Sommer leben“

„Die interne Lösung entzweit den Telekom-Vorstand“, kritisierte Carsten Böhme, Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter DWS Investment. Tenzer habe nur einen Teil der Unternehmensspitze hinter sich, eine sinnvolle Zusammenarbeit sei so nicht möglich. „Wir können mit Herrn Sommer gut leben“, fügte der DWS-Sprecher hinzu. Die Telekom müsse im übrigen die Personaldiskussion zügig beenden und zur Sache zurückkehren: „Es reicht nicht, einfach einen Vorstand auszutauschen.“ So sei die Frage zu beantworten, ob die Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream „ein glückliches Engagement“ gewesen sei. Insgesamt stehe die Deutsche Telekom aber im Vergleich zu europäischen Wettbewerbern nicht schlecht da. Die DWS verwaltet rund 30 Millionen Telekom-Aktien in ihren Investmentfonds. Das sind gut 0,7 Prozent aller T-Aktien.

„Wir haben zu früh gefeiert“, sagte Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest. „Jetzt erhalten wir klarere Signale, wer der nächste Chef sein könnte und es wird argumentiert, dass dadurch nicht der notwendige Wechsel eingeläutet wird.“

In der vergangenen Woche hatten viele Anleger offenbar auf einen starken Sommer-Nachfolger und einen Wechsel in der Konzern-Strategie gewettet. Beide Wetten scheinen nun nicht aufzugehen. Investoren bedauerten am Montag, dass Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick nicht mehr für eine interne Sommer-Nachfolge in Frage komme. „Oder ein Manager wie der Ex-Mannesmann-Vorstand Klaus Esser“, hieß es. „Der hätte bei der Telekom gezeigt, was er kann.“

Analysten warnten indes auch vor den Risiken, die eine externe Neubesetzung des Telekom-Vorstands berge. So dürfte ein rascher Verkauf von Voicestream oder der IT-Sparte T-Systems angesichts der derzeit niedrigen Bewertungen einem nachhaltigen Strategiewechsel im Wege stehen. Außerdem verlöre die Telekom dadurch ihre Wachstumssparten, argumentierte Frederick Altmann vom Wertpapierhaus Hornblower Fischer.

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