Wirtschaft : Börsen: An Feiertagen bleiben die Zocker unter sich

Susanne Schmitt

Kaum Umsatz und schlechte Laune - in den Handelsabteilungen der Banken und Maklerhäuser wird an diesem Donnerstag wieder wenig los sein. In acht Bundesländern, also auch am Finanzplatz Frankfurt, ist der 14. Juni ein Feiertag. Nicht so auf dem Parkett der Deutschen Börse. Sie hat im vergangenen Jahr die vier gesetzlichen Feiertage Fronleichnam, Christi Himmelfahrt, den Pfingstmontag sowie den Tag der Deutschen Einheit zu Börsentagen erklärt. In Frankfurt darf gehandelt werden. Aber keiner freut sich so richtig darüber. Denn was in Börsenboomzeiten sinnvoll scheinen mag, erweist sich in der Flaute als überflüssig. Grafik: Handelsumsätze an deutschen Börsen "Der Umsatz beträgt etwa zehn bis 15 Prozent eines normalen Tages", stellt Dieter Lügering, Chef der Handelsabteilung bei der Berenberg-Bank in Hamburg fest. Am Himmelfahrtstag sei es noch annehmbar gewesen, aber "den Pfingstmontag können Sie vergessen." Der Handel an diesen Tagen sei absolut überflüssig und gerade für Privatanleger wenig attraktiv. Als wichtigsten Grund nennen viele Händler die fehlende Liquidität im Markt. Die Banken haben geschlossen, Order können also nur Kunden einer Direktbank platzieren. Doch auch bei den Online-Brokern ist die Nachfrage eher verhalten. Bei Consors kommen an den Feiertagen nur etwa ein Drittel bis die Hälfte der Order eines normalen Tages an. So sind an Himmelfahrt und Co. die Profis weitgehend unter sich. Für die Kursbestimmung heißt das: Eine einzige größere Order kann den Wert gerade einer wenig oder in kleiner Stückzahl gehandelten Aktie stark nach oben oder unten treiben. Für Zocker, vor allem am Neuen Markt, ist dies eine Chance zu Kursmanipulationen. Die Aussagekraft der Kurse ist entsprechend gering. Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rät den Kleinanlegern deshalb, an diesen Tagen besser die Finger vom Handel zu lassen.

Viele halten sich schon daran. "Die Anleger haben sich sowieso im vergangenen Jahr die Finger verbrannt, die werden nicht gerade an den Feiertagen zurückkommen", meint Otto Braun von der Maklergesellschaft Streubing in Frankfurt. Auf die Privatinvestoren mit ihren relativ kleinen Aufträgen hat es die Deutsche Börse bei der Ausweitung der Handelszeiten auch nicht abgesehen. "Wir müssen international wettbewerbsfähig bleiben", verteidigt Frank Hartmann, Sprecher der Deutschen Börse, die umstrittenen zusätzlichen Handelstage. Die Deutsche Börse habe viele europäische Kunden. An Christi Himmelfahrt seien sieben, an Fronleichnam sogar 15 andere Börsenplätze in Europa geöffnet. "Für uns lohnt sich das", betont Hartmann.

Der Umsatz an Christi Himmelfahrt und Pfingsten erreichte laut Deutsche Börse knapp die Hälfte des Volumens eines durchschnittlichen Handelstages. Der Handel spielt sich aber fast ausschließlich im elektronischen Handelssystem Xetra ab. An normalen Tagen werden in Frankfurt rund 88 Prozent der Order über Xetra abgewickelt, an den Feiertagen fast 94 Prozent. "Da werden doch fast ausschließlich Blue Chips gehandelt", sagen die Makler. Ein Dax-Wert, nämlich die Deutsche Telekom, habe den Handel an Pfingsten gerettet, hat Berenberg-Chefhändler Lügering beobachet.

Die Maklerfirmen teilen die Ansicht der Börse nicht, dass gerade ausländische Investoren auch an den deutschen Feiertagen in Frankfurt ihre Order platzieren wollen. "Die internationalen Anleger sind doch nicht blöd und wissen, dass in Deutschland an einem Feiertag kein normaler Handel stattfindet", kontert Jörg Schwarz, Vorstandsvorsitzender von Lang & Schwarz in Düsseldorf. Große Nachfrage aus dem Ausland sieht er nicht. Dem Markt fehle es an Impulsen, es gebe weder Ad-hoc-Meldungen noch sonstige Wirtschaftsnachrichten.

Wegen der fehlenden Liquidität bleiben laut Berenberg-Chefhändler Lügering auch die großen institutionellen Anleger aus dem Inland vorsichtig. "An Christi Himmelfahrt hatten wir bis mittags zu tun", berichtet Otto Braun in Frankfurt. "Bis dahin haben die Fondsmanager ihre Aufträge vom Vorabend abgearbeitet und die sind dann nach Hause gegangen." Für Privatanleger bedeutet das: Wer unbedingt am Feiertag handeln will, sollte sich an die Blue Chips halten und nicht unbedingt am späten Nachmittag einen Auftrag platzieren. Dann herrscht feiertägliche Ruhe in den Handelsabteilungen.

Die Klagen der Makler über zu wenig Geschäft lassen die Börse kalt. "Wenn eine Bank einen Händler schickt, dann ist das ihre Entscheidung", sagt Frank Hartmann und verweist auf den Xetra-Handel. Auf den kommt es den Frankfurtern letztendlich an. Den Parketthandel lassen die Frankfurter verhungern, meint ein Händler. Die Kapitalströme müssten die günstigsten Rahmenbedingungen haben, kontert Hartmann. Kerstin Timm, Leiterin des Handels bei der Berliner Freiverkehr AG, sieht das ähnlich und tritt grundsätzlich für eine Verlängerung der Handelszeiten ein. Wenn es nun doch eine Nachricht gebe, könne man gleich reagieren, glaubt Timm. Der Feiertagshandel stehe in diesem Jahr nur unter keinem guten Stern, da allgemein die Umsätze eingebrochen seien: "Aber deshalb ist es im Grundsatz nicht falsch."

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