Wirtschaft : Börsen: Angst vor Rezession lässt Aktien abstürzen

Henrik Mortsiefer

Die wachsende Sorge vor einer weltweiten Rezession hat am Donnerstag die Stimmung an den internationalen Börsen dramatisch verschlechtert. In Europa und den USA fielen die Aktienkurse erneut steil ab. Auf Berichte, wonach der Internationale Währungsfonds (IWF) das Wachstum in Deutschland im laufenden Jahr nur noch auf 0,9 Prozent schätzt, reagierten die Anleger mit teilweise panikartigen Aktienverkäufen. So sackte der Deutsche Aktienindex Dax im Verlauf des Handels unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten. Zum Schluss notierte er bei 4875,37 Zählern - ein Minus von 3,4 Prozent. So niedrig stand der Index zuletzt im April 1999. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres hat der Dax mehr als 20 Prozent verloren, der Börsenwert der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen sank damit um insgesamt fast 200 Milliarden Euro. Bei Anlegern geht nun die Sorge um, dass nach den Technologie-Aktien die großen Industriewerte von einer neuen Verkaufswelle getroffen werden. Die größten Verlierer im Dax waren SAP und Infineon. Auch die T-Aktie fiel auf einen neuen Tiefstand von 15,51 Euro. Analysten zufolge könnte der Dax kurzfristig noch bis auf 4500 Punkte abrutschen.

Am Neuen Markt fielen die Verluste am Donnerstag noch größer aus. Zwischenzeitlich gab der Nemax 50 um rund sechs Prozent nach und erreichte ein neues Allzeittief von 929 Zählern. Später erholten sich die Kurse zwar leicht. Am Ende stand aber noch ein Verlust von 4,7 Prozent auf 945,92 Punkte auf dem Kurszettel. Anleger verkauften, nachdem sich in den vergangenen Tagen pessimistische Prognosen wichtiger Technologieunternehmen gehäuft hatten und am Donnerstag ein wichtiger US-Einkaufsmanager-Index deutlich schlechter als erwartet ausfiel. Jüngste Anzeichen für eine Erholung der US-Konjunktur hätten offenbar keine solide Basis, hieß es an der Börse.

Diese Befürchtung führte auch an den amerikanischen Börsen zu Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte zeigte sich deutlich schwächer. "Viele Investoren glauben, dass die Erholung länger auf sich warten lässt als bisher erwartet", sagte ein Händler. Mit Spannung wurden am Abend Nachrichten des weltgrößten Halbleiterherstellers Intel erwartet. Experten sagten voraus, der Konzern werde sein Umsatzziel für das dritte Quartal nach unten berichtigen.

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