BÖRSEN Ausblick : 6500 Punkte in 2010

Dubai schadet den Börsen nicht langfristig

Rolf Obertreis
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Frankfurt am Main - Dass Dubai auf Sand gebaut ist, ist eine Binsenweisheit. Spätestens seit Mittwoch ist dies auch an der Börse angekommen. Die wahnwitzigen künstlichen Inseln und Hochhäuser – demnächst soll mit dem Burj Dubai der mit mehr als 800 Metern höchste Wolkenkratzer der Welt eröffnet werden – und mit ihnen die Projektgesellschaften stoßen an ihre finanziellen Grenzen. Der am Mittwoch verkündete Zahlungsaufschub lässt die Furcht aufkommen, dass die weltweite Finanzkrise längst nicht überstanden ist. Dubai steht mit 80 Milliarden Dollar bei Banken und Baufirmen in der Kreide. Kein Wunder, dass auch der Deutsche Aktienindex am Donnerstag um mehr als drei Prozent absackte. Die kurz davor veröffentlichen schönen Daten des Münchener Ifo-Instituts waren schnell vergessen. Außerdem: Die Bundesbank taxiert weitere mögliche Abschreibungen bei den 17 größten deutschen Banken bis 2011 auf bis zu 90 Milliarden Euro.

Die Börsen in Asien rauschten am Freitag noch einmal in den Keller, in Frankfurt beruhigte sich die Lage wieder. Offenbar betrachten Börsianer die Folgen der Ereignisse am Golf für deutsche Banken und Unternehmen als überschaubar. Beim Bankhaus Metzler sind die Experten gleichwohl froh, dass die Nachrichten aus Dubai dem Geschehen am Finanzmarkt wieder „mehr Realitätsbezug geben“.

Andreas Hürkamp von der Commerzbank glaubt, dass es weiter nach oben geht, aber mit deutlich größeren Schwankungen. Der von Dubai verkündete Zahlungsaufschub sei ja kein Ausfall, sagen andere. Ohnehin sei das Volumen, das in Dubai auf dem Spiel stehe, viel kleiner als bei der Pleite von Lehman Brothers im Herbst 2008. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank befürchtet am deutschen Aktienmarkt im nächsten Jahr nur dann einen deutlichen Rückschlag, wenn es zu einer erneuten Rezession kommt. Er ist auch deshalb optimistisch, weil Banken und andere Großanleger wie etwa Versicherungen immer noch wenig am Aktienmarkt investiert haben. Katers Prognose für den Dax: Zwischen 6 000 und 6 500 Punkten im Jahr 2010.

Für die Entwicklung der Börse in den nächsten Monaten ist nach Ansicht der Helaba die Geldpolitik viel wichtiger als die Vorgänge am Golf. Möglicherweise wird die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte 2010 die Zinsen wieder erhöhen. Deshalb, so die Helaba, würden Aktien in der ersten Jahreshälfte die Nase vorn haben, dann aber müssten sie festverzinslichen Anlagen die Spitze überlassen. All dies steht freilich unter der Prämisse, dass es keine weiteren Schocks gibt – weder vom arabischen Golf noch durch eine flaue Wirtschaft in Europa oder den USA.

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