BÖRSEN Ausblick : 7000 Punkte im Blick

Großanleger bleiben weiter vorsichtig

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Frankfurt am Main - Die Staatsschuldenkrise hat die Börsianer in der abgelaufenen Woche nur zeitweise irritiert. Mittlerweile hat der Deutsche Aktienindex Dax die Marke von 7000 Punkten wieder fest im Blick, nachdem er am Dienstag auf weniger als 6700 Punkte gefallen war. Mit 6958 Punkten am Donnerstag markierte das Barometer ein neues Jahreshoch und den höchsten Stand seit Sommer 2008. Dabei hat auch die Bundesbank den Börsianern am Freitag Rückenwind verschafft: Auch für 2011 und 2012 sagt sie ein stabiles Wachstum voraus – bei niedriger Inflation. Das sind fast ideale Voraussetzungen für den Aktienmarkt. Das Risiko Staatsschuldenkrise bleibt freilich virulent.

Trotzdem überwiegt der Optimismus an der Börse, auch wenn es am Freitag leicht nach unten ging. Zum einen ist nach wie vor reichlich Liquidität auf der Suche nach rentabler Anlage. Zum anderen bleiben die Zinsen niedrig. Volkswirte rechnen erst 2012 mit einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Damit bleiben festverzinsliche Wertpapiere und Tagesgeld derzeit unattraktiv. Nach Ansicht von Daniel Schär von der Berliner Weberbank „läuft die Jahresendrally für Anleger in deutschen Aktien auf vollen Touren“. Auch Tim Albrecht, Manager des renommierten Aktienfonds DWS Deutschland, setzt deshalb zu 100 Prozent auf Dividendenpapiere. „Ich bin im Fonds voll investiert.“ Die Verdoppelung oder gar Verdreifachung von Aktienkursen sei kein Indiz dafür, dass eine Aktie schon zu teuer sei. Albrecht setzt auch 2011 auf Aktien. Für die Unternehmen sehe es auch im nächsten Jahr gut aus.

Spätestens 2011 traut Daniel Zindstein vom Finanzdienstleister Gecam dem Dax den Sprung über die Marke von 8000 Punkten zu. Die positiven Faktoren „treffen auf eine weltweite Investorenlandschaft, für die Aktien immer noch eine untergeordnete Rolle spielen. 2011 dürfte hier ein Paradigmenwechsel stattfinden“. Mit anderen Worten: Große institutionelle Investoren steigen erst dann richtig bei deutschen Aktien ein und treiben die Kurse.

Die mahnenden Stimmen sind rar. Und sie verbreiten nicht mehr ganz so viel Pessimismus wie noch vor wenigen Wochen. Gertraud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, warnt vor „beachtlichem Enttäuschungspotenzial“. Denn der Dax ist seit dem Tiefstand im März 2009 mit einem Plus von rund 85 Prozent einfach zu gut gelaufen. Sie verweist auch auf möglicherweise nicht mehr so hohe Unternehmensgewinne im nächsten Jahr. Konsequenz: Die Aktienkurse könnten um zehn bis 15 Prozent fallen und eine „ausgedehnte Korrekturphase“ einleiten.

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