BÖRSEN Ausblick : Anleger im Stress

Frankfurt am Main - Anleger leben derzeit in einer Welt der Überraschungen. Viel hatten sie von den Unternehmen erwartet, die bislang meist noch mehr geliefert haben. Überraschend stark ist auch der Ifo-Geschäftsklimaindex gestiegen; er hat damit am Freitag den Aktienmärkten einen weiteren Impuls nach oben gegeben. Der Banken-Stresstest fiel dagegen ungefähr so wie erwartet aus.

Marktbeobachter sind dennoch vorsichtig. Zwar hat der Dax die Anleger zuletzt erfreut – er verzeichnet unter dem Strich ein Wochenplus von zwei Prozent. Einige Aktien legten sogar deutlich stärker zu. Aber ob der Trend anhält, sehen manche Aktienstrategen skeptisch. Auf Widersprüche weist Alexander Lukas von der Weberbank hin: Unerwartet schlecht war der ZEW-Index ausgefallen, zudem war die Bonität Portugals herabgestuft worden – dies hätten die Märkte nicht beachtet. Andererseits hätten die Anleger hierzulande durchaus deutlich auf eine Eintrübung der US-Frühindikatoren reagiert. „In diesem Umfeld ist davon auszugehen, dass sich die Aktienmärkte weiterhin unter Schwankungen seitwärts bewegen“, vermutet Lukas.

Die Märkte stehen vor einer Entscheidung, meint Arnim E. Kogge vom Bankhaus Ellwanger & Geiger. „Sollte der Dax dieses Mal wieder nicht die 5800 Punkte nach unten durchbrechen, ist es durchaus möglich, dass nun im dritten Anlauf die bisherigen Höchstkurse überschritten werden und eine kurzfristige Sommerrallye eingeleitet wird.“ Die guten Quartalsergebnisse besagen lediglich, dass viele Unternehmen ohne große Blessuren aus dem Konjunkturtal herausgekommen sind. „Eine solche Erholung impliziert jedoch eine realwirtschaftlich deutlich bessere Entwicklung, als wir sie erwarten“, sagt Kogge. Er warnt: „So könnte Raum entstehen für Enttäuschungen, die bei der zu Unsicherheit umgeschlagenen Grundstimmung die Anleger zu heftigen Verkäufen verführen könnten.“

Am Montag wird sich nach Eröffnung des Börsenhandels zeigen, ob für die Banken mit der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse der Stress endet. Die Banken stehen auch wegen der anstehenden Zwischenberichte im Fokus. Unter anderem werden die Deutsche Bank am Dienstag und Banco Santander am Donnerstag Ergebnisse veröffentlichen. HB

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