BÖRSEN Ausblick : Bange Blicke auf die US-Wirtschaft

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Frankfurt am Main - Was hat der US- Verbraucher irgendwo tief in Kansas oder Mississippi mit der Börse in Frankfurt zu tun? Auf den ersten Blick nichts, er kauft dort selten Aktien. Und doch sorgt er für Bewegung an der deutschen Börse. Vor allem dem US-Verbraucher ist es zuzuschreiben, dass der Deutsche Aktienindex seinen Höhenflug beendet hat und wieder auf die Marke von 6000 Punkten zuschreitet. 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA kommen aus dem Konsum. Derzeit aber halten sich die Verbraucher dort zurück. Denn die Arbeitslosigkeit steigt, es gibt kaum neue Jobs. Damit kommt die US- Wirtschaft, die Lokomotive der Weltwirtschaft, nicht in Fahrt. China allein kann es nicht richten, auch nicht Deutschland, wo die Konjunktur unerwartet robust ist.

Aber Deutschland und die stolzen Gewinne deutscher Firmen interessieren die Börsianer derzeit nicht, sie schauen gebannt auf die USA. Konjunkturpessimismus macht sich breit. Nicht zu Unrecht, wie Eugen Keller vom Bankhaus Metzler glaubt. „Klar ist, dass auch die großen Volkswirtschaften von einem selbstragenden Aufschwung so weit entfernt sind wie die Metzler-Betriebssportgruppe vom Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.“ Auch bei Anleihen ist nichts zu holen, die Renditen bei Bundeswertpapieren sind auf Rekordtiefs gefallen. Bei Fest- und Tagesgeld sind die realen Renditen faktisch negativ. Eigentlich müsste das der Konjunktur und auch dem Aktienmarkt zugute kommen. Aber nichts passiert.

Selbst prinzipiell positiv gestimmte Experten signalisieren Zurückhaltung. Die aktuelle Debatte belaste die Kurse, heißt es bei der DZ Bank. „Wir erwarten zunächst eine Konsolidierung.“ Die „schwankungsanfällige Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte“ werde sich fortsetzen, glaubt Sören Wiedau von der Berliner Weberbank. Bis auf 5700 Punkte könne der Dax im schlechtesten Fall abrutschen. Doch die Optimisten an der Börse, bleiben gelassen. Grund: Die überraschend guten Gewinne vieler Firmen im ersten Halbjahr. Vor allem aber die guten Prognosen für die Erträge. Seit April wurden die Annahmen für 2010 im Schnitt um 23 Prozent nach oben gesetzt, für 2011 und 2012 um jeweils elf Prozent.

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