BÖRSEN Ausblick : Den Anlegern fehlt das Vertrauen

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Frankfurt am Main - Nach einer zur Mitte recht starken Börsenwoche brachte der Freitag den Anlegern wieder einen Dämpfer. In der ersten Woche des zweiten Halbjahres schloss der Deutsche Aktienindex (Dax) bei 6 410 Punkten und damit sechs Punkte niedriger, als er am Montag gestartet war. Das entspricht einem Minus von 0,1 Prozent. Angetrieben worden war der Leitindex zunächst durch die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise. Schon waren mancherorts Erinnerungen an den fulminanten Jahresauftakt wach geworden. Mitte März lag er zwischenzeitlich 1 000 Punkte höher als derzeit. Wenig überrascht zeigte sich dagegen die Mehrheit der Experten vom Schlusskurs des Dax. „Zwischenzeitliche Erholungen sind nicht getragen von einem grundsätzlichen Vertrauen in die Aktienmärkte", sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer der Sentix GmbH, die regelmäßig die Stimmung an der Börse analysiert. Die Unsicherheit sei einfach zu groß.

Auch die historische Senkung des Leitzinses durch den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 0,75 Prozent und damit erstmals auf weniger als ein Prozent beruhigt die Börsianer nicht. Im Gegenteil: Jetzt hätten die Herren im Euro-Tower noch weniger Handlungsspielraum. „Die Warnsignale an den Aktienmärkten nehmen zu“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Das dämpft die Unternehmensgewinne. Trotzdem erwartet Hürkamp, dass sich der Dax in den nächsten Wochen zumindest seitwärts bewegt. Schließlich seien die dort notierten Aktien sehr niedrig und damit attraktiv bewertet. Was eigentlich für Käufe spricht.

Wenig Grund zur Entspannung sieht auch der Börsenkenner Wieland Staud. Neue Jahrestiefs im Dax hinunter bis 5 650 Punkte seien nicht auszuschließen. Andere Experten halten aber durchaus für möglich, dass die Vorsicht der Anleger sich mittelfristig stabilisierend auswirkt.

Gespannt warten Anleger und Börsianer deshalb auf die Halbjahres- und Quartalsberichte, die in den nächsten Wochen auf den Tisch kommen. Sie liefern endlich wieder belastbare Fakten.

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