BÖRSEN Ausblick : Der Gewinn ist futsch Dax ist auf das Niveau vom Januar zurückgefallen

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Frankfurt am Main - Dass zum Wochenschluss auch noch ein fataler Eingabefehler eines Wall-Street-Händlers den deutschen Aktienmarkt nach unten zog, passt zum Bild dieser Tage an der Börse. Binnen kurzer Zeit hat es sich komplett gewandelt: Wochenlang hatten die Händler die Probleme Griechenlands und der Euro-Zone ignoriert. Jetzt dominiert die Staatsschuldenkrise das Kursgeschehen und sorgt Tag für Tag für zum Teil dicke Minuszeichen im deutschen Aktienindex Dax. Trotzdem sind sich die Börsianer nicht einig: Die einen raten, noch vorhandene Gewinne nun rasch mitzunehmen, die anderen sehen schon wieder günstige Kaufgelegenheiten.

Seinen Jahresgewinn hat der Dax mittlerweile wieder komplett abgegeben. Der Index steht mit weniger als 5800 Punkten sogar niedriger als Ende 2009, als er bei 5957 Punkten notierte. Seit dem Hoch in diesem Jahr Mitte April hat die Börse in Frankfurt fast 500 Punkte oder nahezu acht Prozent verloren. Und die Kursausschläge sind fast wieder so massiv wie zu Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008. Dies zeigt die große Nervosität, die auf dem Börsenparkett herrscht. „Die Gelassenheit vieler Anleger hat sich schlagartig ins Gegenteil verkehrt“, sagt Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba.

Vom Optimismus ganz zu schweigen. Reinwand erwartet anhaltend starke Schwankungen – zumindest solange nicht klar ist, wie die staatlichen Finanzen nicht nur in Griechenland, sondern in der Eurozone generell wieder in die Reihe gebracht werden. Seine Empfehlung: Aktien sind derzeit kein Kauf.

Nach einem weiteren schwachen Tag würde sich nach Auffassung von Wieland Staud die Frage stellen, ob der Dax nicht vor einer längeren Baisse steht. Die Stimmung bleibe jedenfalls vorerst tiefschwarz, sagt der renommierte Börsenanalyst. Und Hans-Jörg Naumer, Chef der Kapitalmarktanalyse bei der Allianz, empfiehlt, einen Teil der Gewinne jetzt mitzunehmen, also Aktien zu verkaufen. „Es ist wieder mehr Bodenhaftung angesagt.“ Und Daniel Schär von der Weberbank rät zu Alternativen: Gold. „Wir sind für die weitere Entwicklung positiv gestimmt, da gerade in unruhigen Zeiten des Kapitalmarktes Gold seine Stärken als Weltreservewährung ausspielen kann.“

Doch trotz der seit rund zehn Tagen anhaltenden rasanten Talfahrt ist die Zuversicht auf dem Parkett nicht gänzlich verflogen. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Unternehmenszahlen für das erste Quartal in den allermeisten Fällen überraschend gut ausgefallen sind. Bei 19 der 30 Dax-Konzerne, die bisher ihre Bücher geöffnet haben, ist der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2009 im Schnitt um neun Prozent gestiegen, der Netto-Gewinn hat sogar noch stärker zugelegt. Er war durchschnittlich sechs Mal so hoch wie vor Jahresfrist.

Die Experten der DZ Bank rechnen zwar zwischenzeitlich mit weiteren Kursrückschlägen, auf Sicht von einem Jahr sehen sie den Dax aber bei stolzen 7700 Punkten. „Es gibt weiter gute Investmentmöglichkeiten“, urteilen sie. Auch Andreas Hürkamp von der Commerzbank malt nicht schwarz – er empfiehlt allerdings gute Nerven. „Die gestiegene Nervosität bietet nun wieder Kaufgelegenheiten.“ Olgerd Eichler, bei Main First verantwortlich für das Fondsmanagement, traut den europäischen Aktienmärkten trotz der aktuellen Staatsschuldenkrise auf Sicht von ein bis zwei Jahren ein Plus von mindestens 20 Prozent zu.

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