BÖRSEN Ausblick : Der Optimismus ist wieder da

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Frankfurt am Main – Am Montag ist es zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder soweit. An der Börse in Frankfurt wird eine neue Aktie gelistet. Kabel Deutschland wird dann auf dem Kurszettel auftauchen. 2008 hatte es nur eine kleinere, 2009 gar keine Emission gegeben. Der Kabelnetzbetreiber will bis 880 Millionen Euro einnehmen und soll zum Eisbrecher werden, weiteren Unternehmen den Weg auf das Parkett ebnen und der Börse insgesamt einen Schub geben. Mit Brenntag, Tom Tailor und dem chinesischen Sanitärhersteller Joyou wollen vor Ostern noch weitere Unternehmen den Sprung an den Aktienmarkt wagen. Sollte das klappen, lockt das andere Börseninteressenten. „Wenn das alles gut läuft, keine Frage, dass das dem Markt hilft“, sagt Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. Freilich: Ein richtig dicker Fisch ist nicht in Sicht. Der letzte wäre die Deutsche Bahn gewesen. Aber die hat ihren IPO kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise abgeblasen und auf unbestimmte Zeit verschoben.

Doch auch ohne den Schub von Börsengängen zeigt sich die Börse in erstaunlich robuster Verfassung. Griechenland ist vorerst kein Thema mehr, über die Regierung in Berlin schütteln die Börsianer den Kopf und die unsicheren Zeichen für die Konjunkturentwicklung und die Unternehmensgewinne werden ignoriert. Das alles trieb den Deutschen Aktienindex Dax in der letzten Woche zeitweise wieder auf mehr als 6000 Punkte, auch wenn ihm zum Wochenschluss ein wenig die Puste ausging. „Der Optimismus ist wieder da“, frohlockt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Die Dividendensaison mit stattlichen Ausschüttungen in den nächsten Wochen stützt den Dax zudem. 23 Milliarden Euro wollen die 100 größten deutschen Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre zahlen. Markus Reinwand von Helaba sieht weitere Kurschancen. Immer noch sei viel Geld auf der Suche nach lukrativen Anlagen. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen spreche viel für Aktien.

Doch der Optimismus hält sich in Grenzen. „Die Bäume werden nicht in den Himmel wachsen“, sagt Reinwand. Die Wirtschaftsentwicklung stockt und die Notenbanken schwenken allmählich zu einer weniger großzügigen Geldpolitik um. „Die Aktienmärkte stehen am Scheideweg“, warnt Jens Herdack von der Weberbank. Bis zum Sommer rechnen Analysten mit einer positiven Entwicklung im Dax auf im Schnitt 6200 Punkte. Dann aber könnte es einen Rückschlag geben. Am Jahresende werde das Börsenbarometer, so der Durchschnitt der Prognosen, bei 6100 Punkten stehen. Doch die Spanne der Schätzungen reicht von 4750 bis zu 7300 Punkten. „Es bleibt spannend“, sagt Herdack. Und rät dringend, die Aktienbestände nach unten abzusichern.

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