BÖRSEN Ausblick : Die Experten sind ratlos

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Von Beruhigung ist nichts zu sehen. Düstere Prognosen vom Sturz des Deutschen Aktienindex Dax auf weniger als 5000 Punkte machen die Runde. Nur kurz stoppte die Börse in der abgelaufenen Woche die Talfahrt, dann ging es am Donnerstag und Freitag erneut rapide nach unten. Die Stimmung auf dem Parkett ist mies, die Kurse finden keinen Halt. Experten sind ratlos. Neue dramatische Nachrichten gab es in den letzten Tagen nicht. Die Erkenntnis reift, dass die Politik in Europa und den USA weiter nach Wegen aus der Schuldenkrise sucht und dabei keine brauchbaren Ideen entwickelt.

Klar wird auch, dass das Börsendesaster früher oder später auf die Unternehmen ausstrahlen wird. Die Rezessionsgefahren nehmen zu. Die eingetrübte Nachfrage werde auf kräftig ausgebaute Kapazitäten treffen, was die Margen drückt. „Wir rechnen deshalb nicht mehr damit, dass die Unternehmen ihre Gewinne in Summe werden steigern können“, heißt es bei der DZ Bank. Auch Markus Reinwand von der Helaba ist skeptisch. Der Kursrutsch sei kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck der veränderten Wachstums- und Gewinnperspektiven. Dies zeige die Stagnation der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal.

Eigentlich hatten Beobachter im Herbst eine weitere Leitzinsanhebung durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet. Die wird angesichts der Börsenturbulenzen und der Rezessionsängste immer unwahrscheinlicher. Zumal die Inflationsgefahren sinken und selbst EZB-Ratsmitglieder das Schreckgespenst einer Deflation an die Wand malen.

Börsenhändler Oliver Roth von Close Brothers Seydler gibt sich keinen Illusionen mehr hin. „Die Kursverluste sind nicht übertrieben. Die Schuldenkrise ist nicht behoben, das Vertrauen in die Politik ist weg, die Rezessionsgefahren nehmen zu. Eigentlich ist der Dax jetzt fair bewertet“, meint er. Fair? Mitte Juli stand der Index noch bei mehr als 7300 Punkten, viele hatten einen neuen Rekord von über 8150 Zählern im Blick. Am Freitag notierte der Dax zeitweise mit weniger als 5400 Punkten rund 25 Prozent niedriger. So schnell können sich die Dinge ändern.

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