BÖRSEN Ausblick : Die Kleinanleger sind die Optimisten

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Frankfurt am Main - Das Münchner Ifo-Institut meldet ein „stabiles Sommerhoch“ für die deutsche Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt fast auf Vorkrisen-Niveau. Die Börse interessiert das wenig. Die Händler schauen vor allem in die USA und sehen dort wenig Erbauliches. Konsequenz: Die Kurse sind auf Talfahrt. Die seit Jahresanfang angehäuften Gewinne sind wieder weg. Und jetzt kommen die an der Börse traditionell schwierigen Monate.

Der Dax markiert derzeit den niedrigsten Stand seit sieben Wochen, 6 000 Punkte sind aus dem Blick geraten. Mit wenig Hoffnung auf Besserung. „Die Unsicherheit ist weiter groß“, sagt Joachim Goldberg vom Analysehaus Cognitrend. Die Blicke richten sich in allererster Linie auf die USA. Dort besteht die Gefahr, dass es zum „Double Dip“ kommt und die Wirtschaft erneut in die Rezession fällt. Alle zuletzt veröffentlichten Indikatoren zeigen nach unten: Es werden kaum neue Stellen geschaffen, die Arbeitslosigkeit steigt, die Verkäufe neuer Häuser sind auf dem niedrigsten Stand seit 1963. „Katastrophale Daten“, sagt Börsenhändler Oliver Roth von Close Brothers Seydler. Stockt es in der größten Volkswirtschaft der Welt, trifft das auch Europa und Deutschland. „Hartnäckige Tiefdruckgebiete“ sieht Markus Reinwand von der Helaba.

Die optimistischen Stimmen, die noch vor kurzem eine Kursrally für das Jahresende vorausgesagt haben, werden immer rarer. Christian Blaabjerg, Chefstratege der Saxo Bank, rechnet damit erst 2012.

Die Optimisten sind aber nicht ganz verstummt. Die Zuversicht der Privatanleger sei derzeit so groß wie seit Februar 2008 nicht mehr, berichtet Peter Schirmbeck, Leiter des Privatkundengeschäfts bei der DZ Bank. Mehr als die Hälfte der jüngst befragten Anleger erwarten in den nächsten sechs Monaten steigende Aktienkurse, im Mai noch waren es nur 38 Prozent. Dabei lagen die Kleinanleger, so Schirmbeck, zuletzt meist besser als die Profis. „In der Vergangenheit haben sie den Trend relativ treffsicher vorhergesehen.“ Sie seien auch deshalb so optimistisch, „weil Crash-Propheten zuletzt ein ums andere Mal nicht recht behalten haben“.

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