BÖRSEN Ausblick : Die Lage ist angespannt

Eugen Keller, Finanzmarkt-Analyst beim Bankhaus Metzler, erinnert sich an die Zeit kurz nach der Lehman-Pleite im September 2008: Die Börse war auf Talfahrt und fast täglich wurde eine Bank und mit ihr ihre Aktie an die Wand gedrückt.

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Frankfurt am Main -Jetzt trifft es die südlichen, hoch verschuldeten Euro- Länder und ihre Anleihen. Die angespannte Haushaltslage von Griechenland, Portugal und Spanien wird nach Einschätzung von Analysten auch in der neuen Woche die Stimmung am deutschen Aktienmarkt verdunkeln. Dieses Thema dränge im Moment sonstige Konjunkturdaten und sogar Unternehmensbilanzen in den Hintergrund, heißt es übereinstimmend. „An den Börsen geht die Angst um“, sagt Keller. Am Freitag fiel der Deutsche Aktienindex unter die Marke von 5500 Punkten. Damit hat der Dax seit dem Januar-Hoch rund zehn Prozent verloren.

„Die Probleme sind zu groß für eine schnelle Reparatur“, sagt Keller voraus. Viele Investoren nutzen die Situation offenbar, um Gewinne mitzunehmen. Da hilft es auch wenig, dass die bislang vorgelegten Bilanzen zum größten Teil besser ausgefallen sind als Analysten erwartet hatten. Was auch für die Deutsche Bank gilt. Fünf Milliarden Euro Gewinn sind ein stolzes Ergebnis. Aber die Börse weiß, dass ein beträchtlicher Teil der Gewinne der Krise geschuldet ist, weil die Bank im Geschäft mit Staatsanleihen stark ist.

„Der Markt befindet sich auf Konsolidierungskurs“, glaubt Daniel Schär von der Weberbank. Wie weit es noch runter gehen könnte, sagt er nicht. Die DZ Bank sieht den Dax in sechs Monaten bei nur noch 5000 Punkten. „Im Frühjahr droht eine scharfe Korrektur.“ Die DZ-Bank- Analysten bezweifeln, dass Aktien trotz der Talfahrt derzeit noch günstig sind. Das sieht Dennis Nacken von Allianz Global Investors anders. Aktien seien fair bis attraktiv bewertet. Wer trotz der schwierigen Lage auf Aktien setzt, solle defensive Titel bevorzugen: Pharma, Versorger und Nahrungsmittel.

Auf Unternehmensseite wird es kommende Woche bei Infineon interessant: Auf der Hauptversammlung am Donnerstag zeichnet sich eine Kampfabstimmung um den Vorsitz des Aufsichtsrates ab.

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