BÖRSEN Ausblick : Die Risiken nehmen zu

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Frankfurt am Main - An Impulsen fehlt es im Moment: Keine Neuigkeiten von den Notenbanken, keine Unternehmensberichte, keine guten oder schlechten Nachrichten aus der Politik. Eigentlich also keine besonderen Vorgaben für die Börse. Trotzdem hat sich der Deutsche Aktienindex Dax in der ersten Oktoberwoche wacker geschlagen. Um deutlich mehr als zwei Prozent sind die Kurse im Schnitt geklettert, auf fast 7400 Punkte. Das hat auch erfahrene Beobachter erstaunt, zumal sich die Konjunkturaussichten und damit auch die Gewinnperspektiven für die Firmen eingetrübt haben. Maschinenbau und Automobilhersteller berichten von deutlich schrumpfenden Auftragseingängen, VW und Audi halten die Bänder für wichtige Modelle an.

Viele Anleger setzten verstärkt auf Gold, auch wegen der weiter erhöhten Inflation. Sie liegt in der Euro-Zone mit 2,7 Prozent über der Marke von zwei Prozent, die für die Europäische Zentralbank der Maßstab für Preisstabilität ist. In Euro gerechnet war Gold in der abgelaufenen Woche mit 1381 Euro für die Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie noch nie. Entsprechend gefragt sind derzeit Papiere börsennotierter Gold-Fonds. Sie müssen den Gegenwert des Edelmetalls physisch vorhalten. Da kamen in der ersten Oktoberwoche 2554 Tonnen zusammen – auch das ein neuer Rekord.

Trotzdem bleiben Aktien als Sachwert gefragt. Zumal solide Standardwerte einen Vorzug haben: Sie bringen im Gegensatz zu Gold in der Regel eine Dividende. Gespannt schauen Börsianer in den kommenden Tagen auf die ersten Quartalsberichte. Wie immer macht der US-Konzern Alcoa den Anfang. Weil viele Firmen die Gewinnerwartungen ohnehin bereits gesenkt haben, sei das Risiko von größeren Enttäuschungen begrenzt, glaubt Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen. Allerdings müssten sich die Perspektiven für die Unternehmen wieder aufhellen, damit die Anleger bei Aktien zugreifen.

Markus Wallner von der Commerzbank rechnet in den kommenden Wochen mit einer Seitwärtsbewegung der Kurse. Aus den von manchen Experten noch für 2012 vorausgesagten 8000 Punkten im Dax dürfte kaum etwas werden. Daran ändert auch der Börsengang von Talanx wenig, mit dem erstmals seit eineinhalb Jahren wieder ein größeres Unternehmen den Gang auf das Parkett gewagt und geschafft hat. Als „Eisbrecher“ für weitere Börsengänge betrachtet jedenfalls kaum jemand diesen Schritt.

Christian Kahler von der DZ Bank erwartet eine negative Entwicklung. Die Risiken für die Börse seien mittlerweile sehr hoch, die Aktienkurse hätten sich schon „zu weit von ihrer fundamentalen Basis entfernt“. Mit anderen Worten: Sie sind reif für eine Korrektur. Kahlers Prognose zufolge wird der Dax bis Jahresende rund 800 Punkte oder mehr als zehn Prozent verlieren und nur noch bei 6600 Punkten stehen. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 werde es wieder aufwärtsgehen.

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