BÖRSEN Ausblick : Dünne Luft für späte Käufer

Rolf Obertreis
280362_0_9e090ab5.jpg

Frankfurt am Main - Die Bundesbank sieht schwarz für die Konjunktur, schwärzer noch als die Europäische Zentralbank. Die Anleger dagegen erwarten steigende Kurse, obwohl der Deutsche Aktienindex Dax seit Anfang März schon rund 43 Prozent zugelegt hat. Jedenfalls haben Fondssparer im April wieder für 2,2 Milliarden Euro Aktienfonds gekauft, nachdem sie im März solche Anlageprodukte noch abgestoßen hatten.

Nach Ansicht von Experten wächst die Gefahr, dass die Anleger, die im April und Mai gekauft haben, zu spät gekommen sind. „Die Luft nach oben ist sehr dünn und das Rückschlagpotenzial ist deutlich größer geworden“, glaubt etwa Helmut Knestel, Fondsmanager beim Finanzdienstleister Gecam. Tatsächlich ignorieren Anleger die Flut bedenklicher Nachrichten. In den USA muss GM Insolvenz anmelden, hierzulande taumeln Arcandor, Porsche und Schaeffler/Conti, im Maschinenbau herrscht Auftragsflaute. Und Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank, erwartet neue Belastungen für die Banken, wenn im Herbst aufgrund der Rezession die Kreditausfälle zunehmen.

Gleichwohl sehen viele Auguren für die Börse nur vorübergehende Beeinträchtigungen. „Derartige Konsolidierungen sollten dazu genutzt werden, Aktienpositionen auszubauen“, sagt Gunnar Hamann von der Commerzbank. Im Jahresverlauf werde der Dax wieder auf 5500 Punkte steigen. Ähnliches prognostiziert Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Bis Spätsommer rechnet er mit einem Rückgang auf 4500 Punkte, danach aber soll er bis Jahresende auf 5500 Zähler steigen. Skeptischer ist der Börsenexperte Wieland Staud. Den besten Teil der Party hätten die Börsianer vorerst gesehen. Staud sieht die Gefahr, dass der Dax bis auf 4250 Punkte fallen könnte – betrüblich für jene Anleger, die im April wieder Aktienfonds gekauft haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar