BÖRSEN Ausblick : Erleichterung, aber keine Euphorie

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Frankfurt am Main - Der Schuldenschnitt für Griechenland ist durch. Damit atmet auch die Börse erst einmal auf. Allerdings hielt sich der Freudensprung am Freitag bei einem nur leichten Plus in Grenzen. Schließlich ist auch den Börsianern klar, dass große und kleine Anleger in Griechenland auf mehr als 100 Milliarden Euro verzichten. Dass diejenigen, die nicht mitmachen wollen, per Zwang umgeschuldet werden sollen. Und dass die Probleme mit dem Schuldenerlass nicht mit einem Schlag aus der Welt sind. Trotzdem endete die Woche auf dem Börsenparkett auch wegen der guten Arbeitsmarktdaten aus den USA versöhnlich, nachdem der Deutsche Aktienindex Dax am Dienstag noch um mehr als drei Prozent abgerutscht war. Mit 6880 Punkten war die Börse am Schluss einer turbulenten Woche erstaunlich fest.

Die Akteure haben nicht nur Griechenland im Blick. Die deutschen Exporte haben im Februar um mehr als neun Prozent zugelegt, die Konjunkturprognosen weisen wieder leicht nach oben. „Und die Gewinnerwartungen der Unternehmen haben sich überraschend früh stabilisiert, erstmals seit Sommer 2011 sind sie für den deutschen Autosektor für 2012 wieder erhöht worden“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Nach wie vor bauen Börsianer auch auf die reichliche Liquidität, die nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sucht. 800 Milliarden Euro haben die Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gebunkert. „Viel Geld wartet in den Vorhöfen des Kapitalmarkts“, sagt Martin Hüfner vom Vermögensverwalter Assenagon. Angesichts der niedrigen Zinsen haben solide Aktien weiter gute Chancen.

Die Risiken für die Börse sind allerdings längst nicht verschwunden. Neben der Schuldenkrise in Europa zählt dazu vor allem der hohe und möglicherweise weiter steigende Ölpreis. Auch der Atom-Disput mit dem Iran und der blutige Bürgerkrieg in Syrien lasten auf der Börse, auch wenn das Letztere angesichts des menschlichen Leids sekundär ist. Und schließlich wächst die Wirtschaft in China schwächer als erhofft. Das könnte die Weltkonjunktur bremsen.

Trotzdem sind viele Beobachter an der Börse zuversichtlich. Karl Huber von Pioneer Investments sieht das Vertrauen der Anleger gestärkt, weil Politik und EZB ihren Willen deutlich gemacht hätten, die Krise zu überwinden. Hüfner erwartet den Dax schon bald über der Schwelle von 7000 Punkten. Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank rechnet damit spätestens in der zweiten Jahreshälfte. Für den renommierten Börsenbeobachter Wieland Staud, der aus dem historischen Verlauf der Kurse seine Schlüsse zieht, sind die Rahmenbedingungen für den Aktienmarkt derzeit nahezu ideal. Sein Kursziel von 8000 Punkten für den Dax sei in keinster Weise gefährdet. Skeptisch bleiben die Experten der DZ Bank: Nach wie vor trauen sie der Börse in diesem Jahr nicht mehr als 6600 Punkte zu.

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