BÖRSEN Ausblick : Erschöpft und sehr nervös

Henrik Mortsiefer

Mit einer gewissen Erschöpfung dürften Anleger, Aktienhändler und Banker in dieses Wochenende gegangen sein. Wie zuletzt nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hat die vergangene Börsenwoche an den Nerven der Finanzprofis gezerrt. Weltweit geht die Angst um, dass die US-Hypothekenkrise kein isoliertes Problem der Kredit- und Kapitalmärkte bleiben wird, sondern auf die übrige Wirtschaft übergreifen könnte.

Entsprechend düster fällt die Wochenbilanz am Aktienmarkt aus: Der Dax rutschte zeitweise bis auf 7300 Punkte ab, der Dow-Jones-Index bis auf 13 067 Zähler, und der japanische Nikkei schlug bei 16 718 Punkten auf. Allein der Dax hat seit dem 16. Juli rund zehn Prozent eingebüßt. Nur die Intervention der Notenbanken, die mit mehreren hundert Milliarden Euro den Geldmarkt gestützt haben, dürfte Schlimmeres verhindert haben.

Sollte das Eingreifen auch die Märkte beruhigen, war es doch zugleich ein Indiz dafür, dass die Lage ernst ist. Experten warnen gleichwohl vor Panik. So sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) die Weltwirtschaft trotz der Kreditkrise weiter auf Wachstumskurs. Der IWF äußerte vor dem Wochenende die Einschätzung, dass die Auswirkungen der Turbulenzen kontrollierbar seien. Auch Börsenexperten warnen vor zu viel Pessimismus: „Solange wir sukzessive in 100-Punkte-Schritten nach unten gehen, ist das zwar ein Ausverkauf, aber keine Panik“, sagt Christian Schmidt von der Helaba. In der kommenden Woche wird die Nervosität trotzdem groß bleiben. „Die Hiobsbotschaften werden uns in nächster Zeit nicht ausgehen“, befürchtet Schmidt.

Aufschluss darüber, welche Kreise die Hypothekenkrise zieht, könnten einige US-Konjunkturdaten liefern, darunter die Einzelhandelsumsätze am Montag, die Erzeugerpreise am Dienstag, die Verbraucherpreise am Mittwoch sowie der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan am Freitag.Weniger Impulse sind von der Berichtssaison zu erwarten. Zwar stehen noch Zahlen von US-Konzernen wie Applied Materials, Hewlett-Packard, Wal-Mart und Home Depot an. In Deutschland nähert sich die Berichtssaison jedoch mit den Halbjahreszahlen von Eon am Mittwoch dem Ende.

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