BÖRSEN Ausblick : Es bleibt ungemütlich

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Frankfurt am Main - Manch ein Börsianer hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben. Elf Handelstage hintereinander waren die Kurse in den Keller gerauscht, der Deutsche Aktienindex Dax hatte mehr als 20 Prozent verloren. Nie zuvor hatte es an der Börse eine so dramatische Phase gegeben. Kein Wunder, dass sich eine gewisse Erleichterung breit machte, als der Handel am Donnerstag wieder mit einem deutlichen Gewinn abschloss und sich der Freitag diesem positiven Trend anschloss. Zeitweise bewegte sich der Index sogar wieder über der Marke von 6000 Punkten.

Auf Wochensicht verlor der Dax jedoch vier Prozent, auch die US-Indizes lagen deutlich im Minus: Der Dow-Jones- Index gab 1,5 Prozent nach, die Technologiebörse Nasdaq ein Prozent.

Und die Aussichten bleiben alles andere als gut, seit auch Frankreich – zusammen mit Deutschland Stütze des Euroraums – beim Wirtschaftswachstum auf der Stelle tritt. Und nach wie vor weiß die Politik keinen überzeugenden Ausweg aus der Schuldenkrise, muss die EZB Feuerwehr spielen, in dem sie Staatsanleihen der angeschlagenen Euro-Staaten kauft, um deren Zinslast erträglich zu halten, und den Banken unbegrenzt Liquidität bereitstellen, weil sie sich untereinander nur noch begrenzt Geld leihen. Eine noch vor Wochen angedachte weitere Leitzinserhöhung rückt in weite Ferne.

Dass es weiter durchaus gute Unternehmenszahlen gibt, dass die Konjunkturaussichten zumindest in Deutschland weiterhin nicht schlecht sind und dass die Zinsen vermutlich längere Zeit niedrig bleiben, interessiert die Börse in diesen Tagen wenig. Experten halten die Reaktion am Aktienmarkt für übertrieben, gerade in Deutschland. Während der Dax in der Spitze fast 25 Prozent verloren hat, waren es an der Wall Street in New York nur gut elf Prozent.

„Inzwischen sind Aktien so bewertet, als würden die Gewinne der Gesellschaften im kommenden Jahr regelrecht einbrechen“, sagt Frank Naab, Chef-Anlagestratege beim Bankhaus Metzler. Das allerdings hält nicht nur er für unwahrscheinlich. Für den Dax sieht er von der derzeitigen Basis aus ein Kurspotenzial von 30 Prozent – wenn es keine Rezession gibt. Allerdings rechnet Naab weiter mit starken Kursschwankungen. Auch Markus Reinwand von der Helaba sieht die Aktien nach dem deutlichen Kursrutsch mittlerweile als „sehr niedrig“ bewertet. Trotzdem plädiert er weiter für Zurückhaltung und rät derzeit vom Aktienkauf ab.

Erheblich vorsichtiger sind auch die lange Zeit optimistischen Experten der DZ Bank. Von 8000 Punkten im Dax ist keine Rede mehr. Mehr als 6200 billigen sie dem Börsenbarometer bis zum Jahresende derzeit nicht mehr zu.

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