BÖRSEN Ausblick : Gute Nachrichten verdrängen die Sorgen

Rolf Obertreis
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Die Woche hätte schlechter laufen können. Vor allem die guten Konjunkturzahlen haben die Börsianer überrascht. 1,5 Prozent Wachstum im ersten Quartal – das hatte auch auf dem Parkett niemand auf der Rechnung. Damit steigen die Chancen für die Unternehmen, was letztlich den Kursen zugute kommen sollte. „Die Börsenampeln stehen auf grün“, heißt es in Frankfurt. Seit zwei Wochen schon hält sich der Deutsche Aktienindex Dax über der Marke von 7000 Punkten, am Freitag näherte er sich sogar der Schwelle von 7200. Das Jahrestief vom 17. März von nicht einmal 6200 Punkten ist längst vergessen.

Zur guten Stimmung trägt bei, dass die Aktionäre der 30 Dax-Firmen in den kommenden Tagen mit insgesamt 27 Milliarden Euro so viel Dividende erhalten wie nie zuvor. Commerzbank und Telekom haben in dieser Woche ihren Gewinnanteil schon überwiesen, die anderen folgen in den kommenden Wochen. Den hohen Ölpreis mit anhaltender Tendenz nach oben haben die Börsianer ob der guten Nachrichten ein wenig verdrängt. Eine Bürde bleibt er – ebenso wie die anhaltend hohe Inflationsrate.

Nach Ansicht von Aktienstratege Carsten Klude vom Privatbankhaus MM-Warburg ist ein „gewisser Optimismus“ an die Börse zurückgekehrt. Kollege Roland Ziegler spricht von „mehr Realismus“. Man schaue an der Börse wieder eher auf die Chancen als auf die Risiken. Die Finanzkrise steht jedenfalls nicht mehr im Fokus. „Die Probleme, die die Krise ausgelöst haben, sind mittlerweile in den Kursen eingepreist“, sagt Thomas Gerhardt von DWS Investment, dem Fondsableger der Deutschen Bank. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Banken noch einmal Wertberichtigungen bilden müssen, wird das die Börse kaum belasten. Und die Bergfahrt der Kurse nicht aufhalten. Nach Ansicht von Gerhardt wird es auch deshalb nach oben gehen, weil vor allem große institutionelle Investoren wie Fonds, Pensionskassen oder Versicherungen auf jeder Menge Bargeld sitzen, das nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sucht. Und deutsche Aktien gelten weiter als günstig bewertet. Bis Jahresende sieht Gerhardt auch deshalb gute Chancen, dass der Dax wieder auf 8000 Punkte steigt.

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