BÖRSEN Ausblick : Gute Nachrichten werden nicht gehört

Rolf Obertreis
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US-Notenbank-Chef Ben Bernanke sagt Bankenpleiten voraus, ein Händler verzockt 141 Millionen Dollar, der Preis für das Fass Öl steigt auf 103 Dollar, der Euro klettert auf 1,52 Dollar, Gold nimmt Kurs auf die Marke von 1000 Dollar je Feinunze, die Inflation in Deutschland liegt weiter bei hohen 2,8 Prozent, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann prognostiziert für die Branche weitere Milliardenabschreibungen. Das sind nur ein paar der schlechten Nachrichten aus der vergangenen Woche. Da ist es schon erstaunlich, dass die Aktienkurse nicht stärker nach unten rauschten. Nur knapp ein Prozent hat der Leitindex Dax verloren.

Auch in den kommenden Wochen wird die Flut der schlechten Nachrichten vermutlich anhalten. Die Aussichten für die Konjunktur werden sich wohl weiter eintrüben. Das sehen auch die Herren in der Europäischen Zentralbank (EZB) so, die am Donnerstag in Frankfurt wieder einmal über die Zinsen beraten werden. Passieren wird wahrscheinlich nichts. Angesichts der hohen Inflationsrate werden EZB-Präsident Jean- Claude Trichet und seine Kollegen weiter stillhalten und den Leitzins nicht senken. Weil die US-Notenbank Fed zugleich die Zinsen weiter senken dürfte, könnte auch der Euro im Vergleich zum Dollar noch teurer werden. Und das, sagen Experten, wird den Ölpreis weiter treiben.

Immerhin: Es gibt auch erfreuliche Nachrichten. Viele Dax-Konzerne haben im vergangenen Jahr gut verdient und werden über ihre Aktionäre einen stattlichen Geldsegen ausschütten. Rund 27 Milliarden Euro werden die Unternehmen für 2007 insgesamt an Dividenden zahlen, vier Milliarden mehr als vor Jahresfrist. Das ist neuer Rekord.

Das sollte die Börse und die Kurse eigentlich stützen. Aber der Pessimismus auf dem Parkett ist immer noch zu groß. Gute Nachrichten finden kaum Gehör. Erst wenn der Dax ein Stück zugelegt habe, werde sich auch die Stimmung verbessern, sagen die Experten der DZ Bank. Und bleiben bei ihrer Prognose, wonach der Dax in einem Jahr bei 8300 Punkten steht.

Andere sind da weniger zuversichtlich: „Die Stimmung bleibt eher negativ. Es steht nichts an, was eine Erholung rechtfertigen könnte und die anstehenden Konjunkturdaten aus den USA dürften nicht besonders rosig ausfallen“, sagt Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba. In der kommenden Woche werden wichtige Indizes für Industrie (Montag) und Dienstleistungen (Mittwoch) veröffentlicht. Sie sollen Aufschluss über den Zustand der US-Konjunktur geben. Ebenfalls entscheidend dürfte der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag sein. „Ein erneuter Rückgang wäre ein deutlich rezessives Signal“, schreibt die Landesbank-Baden-Württemberg (LBBW). Von der Unternehmensseite werden Geschäftszahlen von Adidas und Postbank (beide Mittwoch) sowie Deutsche Post und Eon (beide Donnerstag) erwartet. „Das dürfte dem Markt aber nur temporäre Impulse geben“, sagt Marktstratege Schmidt.

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