BÖRSEN Ausblick : Hohe Inflationsrate verdirbt die Laune

Daniel Rhee-Piening
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Noch gibt sich die deutsche Wirtschaft gelassen, aber an der Börse schrillen angesichts eines Rohölpreises von 135 Dollar je Fass die Alarmglocken. Der Deutsche Aktienindex Dax sackte bereits zum Ende der vergangenen Woche wieder unter die Marke von 7000 Punkten – mit einer deutlichen Aufwärtsbewegung rechnen derzeit nur die wenigsten Beobachter.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen erwartet, dass die Inflationsrate in Europa in den kommenden Monaten auf vier Prozent steigt. Das wäre zwei Punkte über der Marke, die die Europäische Zentralbank (EZB) als Gradmesser für Preisstabilität erachtet. Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank sind damit dahin. Zwar sehen nicht nur die Commerzbank-Volkswirte eine Blase am Ölmarkt, erwarten aber nicht, dass diese bald platzt.

Gleichzeitig mehren sich auch an der Börse die Stimmen, die eine deutliche Abschwächung des Wachstums nicht nur in den USA, sondern auch in Europa fürchten. Das Schreckenswort der „Stagflation“ macht die Runde – steigende Preise bei wirtschaftlicher Stagnation. Das kann der Börse nicht passen und ist auf Dauer auch eine Belastung für den Dax. „Der Markt fängt an zu glauben, dass angesichts der anhaltend hohen Ölpreise eine längere Inflationsperiode in Kombination mit der Konjunkturabschwächung möglich ist“, sagte Brandon Thomas von Portfolio Management Consultants.

Auch die Berichte vom weiter rückläufigen Immobilienmarkt in den USA waren Gift für die Stimmung auf dem Parkett. Willem Sels, Kreditexperte bei Dresdner Kleinwort, warnt jedenfalls davor, dass das Schlimmste in der Finanzkrise erst noch kommt. Auch bei Kreditkartenschulden müsse in den USA mit hohen Ausfällen gerechnet werden.

Einzige Lichtblicke: Deutsche Aktien gelten nach wie vor als günstig bewertet, zudem sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Nach dem angeblichen Angebot von Allianz und Commerzbank für die Postbank bleibt auch die Fusionsfantasie am Bankenmarkt bestehen. Die Helaba traut dem Dax bis zum Jahresende immer noch 8000 Punkte zu.

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