BÖRSEN Ausblick : Launisch wie der April

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Frankfurt am Main - Die ersten beiden Aprilwochen waren für die in diesem Jahr verwöhnten Börsianer eine herbe Enttäuschung. Ein Gutteil der schönen Gewinne des ersten Quartals ist futsch, 7000 Punkte im Deutschen Aktienindex Dax sind derzeit deutlich außer Reichweite. Ganz zu schweigen vom Jahreshoch, das noch einmal fast 200 Punkt höher lag. Gleichwohl: Immer noch liegt der Dax mit rund 15 Prozent im Plus. Aber vielen Anlegern ist angesichts der steilen Bergfahrt etwas schwindelig geworden. Also haben sie ihre Schäfchen erst einmal ins Trockene gebracht und Gewinne durch Aktienverkäufe realisiert. Die Nervosität ist beträchtlich. „Die Krise ist zurück auf den Handelsschirmen und somit auch in den Köpfen der Marktteilnehmer“, sagt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Auslöser dafür waren vor allem zwei Entwicklungen. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hat deutlich gemacht, dass er die Geldpolitik vorerst nicht weiter lockert. Zudem stecken Spanien und vor allem Portugal weiter in schweren Nöten. Dass fast die Hälfte der wichtigsten deutschen Ökonomen den Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise als überwunden betrachtet, sorgt deshalb kaum für Entspannung. Zumal die Experten damit rechnen, dass die Krise noch bis 2015 dauert.

Der hohe Ölpreis und Konjunkturdaten mögen die Börse in diesen Tagen auch bremsen. Aber so schlecht sieht es nicht aus. In Deutschland läuft der Wirtschaftsmotor, der Export war auch im Februar stark. Die großen deutschen Autohersteller berichten von Rekordverkäufen im ersten Quartal. Und die 30 Dax-Firmen schütten in den nächsten Wochen Dividenden in Höhe von 27,5 Milliarden Euro aus.

Erst ab Ende April aber gibt es belastbare Neuigkeiten für die Börse: Dann legen die ersten Konzerne ihre Quartalsberichte vor. Und untermauern mit harten Zahlen das beste erste Vierteljahr, das der Dax in seiner rund 25-jährigen Geschichte verbuchen konnte. Oder auch nicht. Sicher scheint: Vorerst zumindest wird es eher holprig weitergehen. Metzler-Experte Keller rät zur Defensive. Deutsche Aktien gelten bei etlichen Börsianern als nicht mehr preiswert.

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