BÖRSEN Ausblick : Niedrigzinsen treiben Anleger in die Aktien

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Immer wieder kratzt der Deutsche Aktienindex Dax in diesen Tagen an der Marke von 7000 Punkten. Aber Meldungen über eine schwächer laufende Konjunktur in China, verhalteneres Wachstum in Deutschland und die Rezession in Südeuropa sorgen immer wieder für Dämpfer. Die Gewinnschätzungen für deutsche Unternehmen werden bereits zurückgenommen. Der Landesbank Baden-Württemberg zufolge blickt nur noch jede vierte der 30 Dax-Firmen mit Zuversicht auf die nächsten Monate.

Zum Wochenschluss ging es deshalb zeitweise runter bis auf weniger als 6800 Punkte. Die einen sprechen von einer erstaunlich robusten Verfassung der Börse, andere sehen die Bären, also die Pessimisten, in der Mehrheit – ein eher bedenkliches Zeichen. „Auf dünnem Eis“ bewegten sich die Kurse, sagen etliche Auguren und verweisen dabei auch auf die geringeren Börsenumsätze, die allerdings auch der Ferienzeit geschuldet sind.

Abschwächende Gewinnschätzungen und sich verschlechternde Konjunkturaussichten seien eigentlich Gift für die Börse, betont Sören Wiedau von der Berliner Weberbank. „Dass die Aktienindizes trotzdem steigen, zeigt, wie stark die Märkte von der Hoffnung auf eine Liquiditätsspritze der Notenbanken und insbesondere einem massiven Eingreifen der EZB bestimmt werden“. Dies könne die Aktienkurse noch höher tragen. Wobei den Börsianern klar ist, dass auch durch neue Hilfen der Notenbank die Schuldenkrise längst nicht gelöst wird.

Der Aktienmarkt profitiert weiter auch von fehlenden Alternativen. Die Zinsen sind auf niedrigem Niveau, selbst Tagesgeldkonten bieten nach Angaben der Finanzberatung FMH derzeit im Schnitt nur 1,31 Prozent – und das auch noch mit sinkender Tendenz. Sichere Bundesanleihen sind nicht besser. Deswegen zieht es sogar Privatanleger wieder in Aktien oder Aktienfonds. 1,5 Millionen neue Aktionäre sind im ersten Halbjahr dazugekommen. Das Plus war mit 17 Prozent so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Wie geht es weiter? Die Prognosen sind gespalten, ein untrügliches Indiz für die Verunsicherung auf dem und rund um das Börsenparkett. Prinzipiell komme der Dax in der Zeit zwischen Mitte August und Ende September in eine schwierige Phase, meint Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Die DZ Bank erwartet zum Jahresende 6600 und Mitte nächsten Jahres 6800 Punkte – mithin weniger als derzeit. Weberbank-Experte Wiedau erkennt „harte Widerstände“ bei der Marke von 7000 Punkten.

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