BÖRSEN Ausblick : Wenig Begeisterung über den Gipfel

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Frankfurt am Main - Begeisterung sieht anders aus. An der Börse hat man die Beschlüsse des angeblich entscheidenden EU-Gipfels eher emotionslos aufgenommen. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch nichts, was erkennbar positiv überrascht, lautet der Tenor von Volkswirten und Börsianern am Freitag auf dem Frankfurter Parkett. Überhaupt sind die Reaktionen auf die Politik wie auch auf die Bonitätswarnungen der Ratingagenturen in letzter Zeit an den Finanzmärkten eher gelassen aufgenommen worden. Die Renditen der Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten weisen zwar nach oben, von ihren Rekordständen aber sind sie deutlich entfernt. Und der Bund kann sich weiter zu günstigen Konditionen Geld beschaffen.

Die Aktienkurse zeigten zwar zu Wochenanfang nach unten, berappelten sich aber. Am Freitag kratzte der Deutsche Aktienindex (Dax) wieder an der Schwelle von 6000 Punkten. Geld scheint genug in Umlauf zu sein. Die Europäische Zentralbank greift den Banken so massiv unter die Arme wie nie zuvor. Und nicht zuletzt sind Anlagealternativen zu Aktien rar. Bundesanleihen werfen kaum noch etwas ab, ihr Zins gleicht nicht einmal die Inflation aus. Euro-Staatsanleihen sind angesichts der Krise auch wenig attraktiv. Viele Experten raten deshalb zu Sachwerten. Dazu gehören auch solide Aktien. Zudem winken für 2011 wegen der immer noch stolzen Unternehmensgewinne allein im Dax Dividenden von gut 27 Milliarden Euro.

Ulrich Stephan, Chef-Anlage-Stratege für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, erwartet in den nächsten Monaten eine Beruhigung der Euro-Schuldenkrise und damit deutliche Impulse für den Aktienmarkt. Bis Ende 2012 werde der Dax auf 6600 Punkte steigen.

Generell macht sich am Aktienmarkt vorsichtiger Optimismus breit. Von einer Jahresendrallye spricht trotzdem niemand. Allmählich machen die Börsianer einen Haken hinter das Börsenjahr 2011. Kein Wunder bei Einbußen im Dax von bislang fast 1000 Punkten oder nahezu 15 Prozent.

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