Wirtschaft : Börsen bejubeln schon das Ende des Krieges

Aktienkurse steigen kräftig, Ölpreis und Eurokurs fallen – Russische Wirtschaft fürchtet Kriegsfolgen

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Berlin (mot/hop/fw). An den Finanz, Öl- und Devisenmärkten wechseln immer mehr Investoren ins Lager der Optimisten. Nach dem zügigen Vordringen der US-Armee ins Zentrum Bagdads rechnen die Anleger mit einem baldigen Kriegsende. Der Dax stieg am Montag um mehr als fünf Prozent und notierte erstmals seit Ende Januar wieder über 2800 Punkten. Der Ölpreis sank kräftig, der Euro kostete nur noch 1,0582 (Freitag: 1,0720) Dollar. Die US-Börsen eröffneten den Handel ebenfalls mit Kursgewinnen.

„Ein Ende des Krieges löst 50 Prozent der Probleme, die den Markt besonders belasten“, sagte Robert Halver, Leiter der Anlagestrategie des Schweizer Vermögensverwalters Vontobel. Zwar liege die Konjunktur nach wie vor am Boden. Dennoch könnten sich Anleger, Unternehmen und Konsumenten nun allmählich und „ohne Angstpsychose“ der Zukunft zuwenden. „Es werden bald Konsumentscheidungen nachgeholt, die wegen des Krieges verschoben wurden“, glaubt Halver. Außerdem sei die europäische Geldpolitik wieder flexibler als vor dem Krieg. „Zinssignale werden nicht mehr verpuffen, und die Banken können sich an die Finanzierung des Aufschwungs machen.“

Auch technische Analysten gaben Entwarnung: „Nachhaltig positive Meldungen aus dem Kriegsgebiet im Irak könnten weiterhin stützend auf die Kursentwicklung einwirken“, sagte Uwe Wagner von der Deutschen Bank. „Nach unten hin halten wir die Aktienmärkte für weitestgehend abgesichert.“ Die Optimisten stützen ihre Einschätzung auf Frühindikatoren wie den V-Dax. Er gibt an, mit welchen Kursschwankungen am Markt gerechnet wird. Der Index fiel am Montag auf Werte um 42 Punkte und stand damit so niedrig wie vor Ausbruch des Irak-Krieges.

Der rasante Anstieg des Dax – binnen vier Wochen hat der Index mehr als 25 Prozent gewonnen – lässt aber auch warnende Stimmen lauter werden. Sollte der Krieg tatsächlich zu Ende gehen, dürften bald wieder Unternehmensmeldungen und die Konjunktur im Vordergrund stehen. „Wir rechnen nach dem Kriegsende mit Überschriften, die von Rezessionsängsten berichten werden“, befürchten die Analysten von Merrill Lynch. Auch Robert Halver warnt vor Euphorie: „Das Negativ-Thema Krieg wird jetzt vom Negativ-Thema Konjunktur abgelöst.“

Doch auch konjunkturell könnten sich die Aussichten verbessern, wenn etwa das Öl weiter so preiswert bleibt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sank am Montag zeitweise um über einen Dollar auf den tiefsten Stand seit November 2002. Am Nachmittag lag der Preis für Brent um 85 Cent tiefer bei 23,83 Dollar. Dies beunruhigt die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec): „Wir rechnen damit, dass der Ölpreis weiter fällt“, hieß es in Opec-Kreisen. Sinke er unter die Marke von 23 oder gar 22 Dollar, müssten die Opec-Länder schnell reagieren und die Förderung einschränken, zumal der Markt gut versorgt sei. „Einige Mitglieder schrecken vor dieser Maßnahme jedoch zurück, solange der Krieg nicht beendet ist“, erfuhr der Tagesspiegel.

Große Sorgen bereitet der niedrige Ölpreis und die künftige Dominanz der USA in der Golf-Region auch der russischen Wirtschaft, bestätigte Ilya Klebanov, Minister für Industrie, Wissenschaft und Technologie, dem Tagesspiegel. Der Krieg im Irak könne Russlands Ölindustrie Milliardenverluste bringen. Konzerne wie Lukoil haben vor dem Krieg Milliarden in den Ausbau von Ölfeldern investiert, andere hatten mit Saddam Hussein Vorverträge abgeschlossen. „Jetzt, wo die USA die Kontrolle übernehmen, ist es gut möglich, dass die Verträge für ungültig erklärt werden“, fürchtet Klebanov. Hinzu komme, dass die Abkommen zwischen dem Irak und Russland im Rahmen des Uno-Sanktionsprogramms „Öl für Lebensmittel“ womöglich unwirksam werden könnten. Russland hatte bislang rund 40 Prozent des Öls abgenommen und es in andere Staaten exportiert. Auch beim Wiederaufbau im Irak sieht der Industrieminister Russland im Nachteil: „Die Länder, die dem Irak-Krieg ein klares Nein erteilt haben, werden kaum eine Chance haben“, sagte Klebanov.

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