Wirtschaft : Börsen-Boom beflügelt Direktbanken

JAN C.SCHWARTZ (rtr)

Kundenanstrum legt die Telefonzentralen lahm / Zusätzliches Personal gesuchtVON JAN C.SCHWARTZ (rtr)

FRANKFURT (MAIN).Das Aktienfieber an den Börsen hat für einen Boom bei den Direktbanken gesorgt: Seitdem die Aktienkurse von Rekord zu Rekord eilen, stehen die Telefone der schalterlosen Institute nicht mehr still.Anrufe tausender Anleger legen die Telefonzentralen lahm."Sobald eine Neuemission vorliegt, laufen die Drähte heiß", schildert ein Banker das Anlageverhalten der Kunden.Die Zahl der Depots bei Discountbrokern ist sprunghaft gestiegen. Mit Ausnahme der Dresdner Bank zählen heute alle Großbanken eine Direktbank zu ihren Tochtergesellschaften.In den Gründungsjahren ab 1994 kamen diese Institute aber nur sehr langsam in Tritt.Die Kunden wechselten trotz eines großen Werbeaufwands nicht wie erhofft in Scharen. Inzwischen tummeln sich mehr als 40 Banken im Telefonbanking, Computerbanking, Direktbanking oder Discountbrokerage, wie die neuen Dienstleistungen je nach ihrem Zuschnitt heißen.Eines haben alle gemeinsam: Sie sollen den Geldhäusern Kosten einsparen und bieten den Kunden im Gegenzug niedrigere Preise.Während der Anlaufjahre bescheren die filiallosen Ableger aber zunächst Verluste.500 bis 1000 DM kostet nach Branchenangaben allein die Werbung eines Neukunden.Doch dürften einige Institute die Gewinnschwelle durch das Börsenfieber schneller erreichen als erwartet."Die Emission der Telekom-Aktie brachte den Durchbruch", erkläutert ein Sprecher des nach eigenen Angaben mit 91 000 Kunden größten Discountbrokers, der comdirekt bank der Commerzbank.Einen weiteren Schub neuer Kunden habe der Börsengang des Fernsehsenders Pro 7 gebracht. Bei der Bank 24 der Deutschen Bank hat sich die Zahl der Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren auf monatlich 30 000 verdoppelt.Zu Börsenzeiten trete ein "Rushhour-Effekt" ein, bei dem sich die Anrufe in der Telefonzentrale stauten, sagt der für Marketing zuständige Vorstand Thomas Holtrop.Monatlich würden 12 000 bis 13 000 Kunden hinzugewonnen.Bis Ende 1997 wolle die Direktbank 190 000 Kunden zählen, nachdem bereits zur Jahresmitte 150 000 erreicht worden seien.Die Gewinnschwelle will die Bank 24 1999 erreichen. "Auch bei uns brummt es", beschreibt ein Sprecher der Hypo-Bank das Geschäft der Direkt Anlage Bank (DAB).Die DAB war 1994 als erster Discountbroker an den Start gegangen und hat seit Anfang 1997 10 000 Kunden hinzugewonnen.Inzwischen zählt sie knapp 36 000 Konto- und Depotinhaber.Eine Flut an Wertpapieraufträgen habe das Münchener Institut an den Rand seiner Kapazitäten gebracht."Wir suchen Personal", sagt der Sprecher.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben