Wirtschaft : Börsen-Chef spricht von überregulierten Märkten

BERLIN (dr).In scharfer Form hat sich der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG, Werner G.Seifert, am Donnerstag gegen weitere Regulierungen ausgesprochen.Auf einer Veranstaltung zum zweijährigen Bestehen des Neuen Marktes warf Seifert der Politik Versagen vor.Durch Überregulierung hemme sie Unternehmensgründungen und Innovationen.Deutschland brauche keine "Bündnisse für Arbeit" in Form von Konsensandachten im Kanzleramt unter dem Zeichen des Proporz, so Seifert.Die wirkungsvollsten Bündnisse für Arbeit könnten weltweit am Kapitalmarkt beobachtet werden.In Deutschland unterlägen zu wenige Unternehmen den lenkenden Händen des Kapitalmarktes - zu wenige Unternehmen seien an der Börse notiert.Durch sinnvolle Rahmenbedingungen dazu einen Beitrag zu leisten, wäre eine zentrale Aufgabe der Politik.Eine Studie der Weltbank belege den Zusammenhang zwischen der Effizienz von Aktienmärkten und der Wachstumsentwicklung in 55 Staaten.

Angesichts der Behinderungen in Deutschland sei es umso bemerkenswerter, daß hierzulande der Neue Markt enstanden sei.Es sei nicht durch bessere Rahmenbedingungen zu erklären, daß 77 Unternehmen in diesem Marktsegment an die Börse gingen.Diese Unternehmen wuchsen laut Seifert im Schnitt der vergangenen drei Jahre mit je 51 Prozent pro Jahr, schufen über 20 000 Arbeitsplätze und mehr als 28 Mrd.Euro an Shareholder Value.Nach dem Börsengang hätten viele Firmen ihre Mitarbeiter durch Aktien an dem Erfolg beteiligt.

Zwei Drittel der Unternehmen am Neuen Markt seien Hightech-Unternehmen und vor allem in der Informationstechnologie beziehungsweise in der Telekommunikation tätig.Obwohl sie hohe Umsatzanteile im Ausland generierten, seien sie trotz aller "Unkenrufe zum Standort Deutschland" noch nicht abgewandert.Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielten sie mit Produkten, deren Markteinführung zwei Jahre oder weniger zurückliege.Die Hälfte der Unternehmen am Neuen Markt konzentriere sich auf mehr als zehn verschiedene Produkte.

Es gelte, die Effekte des Neuen Marktes zu multiplizieren, forderte Seifert.Die Politik dürfe sich nicht darauf verlassen, daß Unternehmer dauerhaft die Hürden des Systems überwinden würden und so für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung sorgten.

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