Wirtschaft : Börsen erwarten Schaukelpartie

VANESSA LIERTZ

DÜSSELDORF .Für den Kosovo-Konflikt hat sich auf dem Parkett lange niemand interessiert.Als die Krise aber eskalierte, drückte das in der vergangenen Woche auf die Kurse.In Amerika war die Stimmung dagegen eher optimistisch.So kletterte der Dow Jones am Donnerstag, beflügelt von Technologie- und Finanzwerten, nach oben.Die vielbeschworene Marke von 10 000 Punkten konnte die Wall Street zwar überwinden.Doch der Dow konnte sich nicht über der psychologisch wichtigen Grenze behaupten.Der japanische Nikkei-225-Index hingegen schaffte es über die Marke von 16 000 Punkten.

Die DG-Bank blickt aber auch für den deutschen Aktienmarkt zuversichtlich in die vorösterliche Woche.In ihrem Wochenbericht sprechen die Analysten von einem "positiven Grundton".Ein weiterer Dämpfer: Der anhaltende Preisanstieg für Rohstoffe und Öl werde die Kurse drücken, hieß es.Die kurzfristigen Belastungen haben die Frankfurter Analysten bewogen, das Kursziel für den deutschen Aktienmarkt zum 30.Juni 1999 von 5800 auf 5400 Punkte zurückzunehmen.

Dennoch gehen alle befragten Analysten davon aus, daß bessere internationale Konjunkturperspektiven die Börse wieder beflügeln werden.Nur für die nächste Woche sagen sie noch einmal eine Schaukelpartie voraus.Wolfgang Sawazki, Analyst der WestLB, rechnet mit Werten bis zu 5000 Punkten.Anders als die DG-Bank hält die WestLB aber an ihrer längerfristigen Prognose fest und erwartet zum Herbst Daxwerte von über 5800 Punkten.

Anlegern empfiehlt Sawazki Chemiewerte, etwa Bayer-Aktien.Der Chemiekonzern nehme wegen seines erfolgreichen Pharmageschäfts eine Spitzenposition in der ansonsten krisengeschüttelten Branche ein.Auch zwei europäische Hersteller von Industriegasen würde Sawazki jetzt kaufen: Air Liquide und B.O.C.haben seiner Meinung nach viel Wachstumspotential.In der deutschen Chemiebranche rät Sawazki zudem zu Papieren von Altana.In der vergangenen Woche hat der Bad Homburger Chemie- und Pharmakonzern ein gutes Ergebnis vorgelegt: Der Nischenanbieter konnte seinen Gewinn im Jahre 1998 um 15 Prozent steigern.Auch die Analysten des Bankhauses Sal.Oppenheim raten zum Kauf der Altana-Aktie.Die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres stimmten mit den Markterwartungen überein, sagt Analystin Petra Meyer.Altana erwartet für den Konzern im laufenden Jahr eine Wachstumsrate von fünf Prozent."Dies ist jedoch eine eher konservative Vorhersage, basierend auf den Unbestimmtheiten in Brasilien", erklärte Meyer.

Gerhard Schwarz von der HypoVereinsbank empfiehlt neben Chemiewerten auch Automobilaktien.Generell solle der Anleger auf zyklische Werte ein Auge werfen, die seiner Ansicht nach von der besseren konjunkturellen Lage profitieren werden.Gerade auf dem Automobilmarkt "ist noch viel Potential", sagt Schwarz.Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern habe zwar in der vergangenen Woche "in den Chor eingestimmt, daß die Ergebnisse nur noch verhalten wachsen werden".Dennoch sieht der Münchener Analyst die Lage optimistisch.Er empfiehlt unter anderem Aktien von Daimler-Chrysler.Weil der Markt zur Zeit uneinheitlich ist, werden die Anleger in der nächsten Woche nach Meinung von Schwarz besonders auf neue Unternehmensergebnisse mehr achten, als auf politische Vorgaben."Man wartet ab, was passiert", sagt er.Insofern sollten die Bilanz-Vorlagen von BMW am Dienstag und von DaimlerChrysler am Mittwoch von allergrößtem Interesse sein.Die Preussag lädt am Mittwoch zu ihrer Hauptversammlung ein.Am Dienstag hält außerdem die Deutsche Börse in Frankfurt am Main ihre Bilanzpressekonferenz ab, und der Offenmarktausschuß der US-Notenbank Federal Reserve tagt in Washington, um den finanzpolitischen Kurs für die nächsten sechs Wochen festzulegen.

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