Börsen : Kursfeuerwerk nach US-Leitzinssenkung

Die überraschend deutliche Leitzinssenkung in den USA hat an den Börsen weltweit Hoffnungen auf ein Ende der Kreditknappheit und eine Entspannung in der Immobilienkrise geweckt. Wirtschaftsminister Glos warnte vor einem Konjunkturdämpfer für Deutschland.

US Börse
Der erwartete Zinsschritt der US-Notenbank sorgte für gute Stimmung auf dem Parkett. -Foto: AFP

Washington/New York/BerlinAn der Wall Street stiegen der Dow Jones und der Technologie-Index Nasdaq um mehr als 2,5 Prozent an. Auch die asiatischen Märkte reagierten positiv. Wegen der Zinssenkung stieg der Ölpreis auf neue Rekordwerte. Experten warnten aber davor, die Krise auf dem US-Finanzmarkt als beendet zu betrachten.

Nachdem der Leitzins seit Juni 2006 unverändert bei 5,25 Prozent gelegen hatte, hatte die Fed unter dem Eindruck der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten den Satz um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gemindert. Die Notenbanker begründeten ihre Entscheidung mit "Störungen an den Finanzmärkten", die eine Änderung der Geldpolitik nötig gemacht hätten. Durch die Zinssenkung wird die Geldbeschaffung für Banken billiger. Dies dürfte die Schwierigkeiten bei der Kreditfinanzierung lockern, die durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt entstanden ist.

Analysten warnen vor Euphorie

Die Börsen reagierten durchweg positiv auf die Entscheidung. Der Dow Jones in New York schloss bei 13.739,39 Punkten, was einem Anstieg von 2,51 Prozent entspricht. Der Technologieindex Nasdaq stieg bis Handelschluss um 2,71 Prozent auf 2651,66 Punkte. Auch in Hongkong, Shanghai und Tokio stiegen die Aktienindizes um mehr als drei Prozent. Asiatische Analysten warnten dennoch vor zu viel Euphorie. Die grundlegenden Probleme mit der Kreditvergabe in den USA seien noch nicht gelöst, sagte Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities in Tokio.

Positiv äußerte sich der Ölmarktexperte Tony Nunan von Mitsubishi. Die Zinsentscheidung habe Befürchtungen über eine drohende Rezession entgegengewirkt und werde die Ölmärkte weiter anfeuern, sagte Nunan. Die Kreditknappheit hatte bei den Händlern Sorgen um eine möglicherweise sinkende Nachfrage nach dem Rohstoff ausgelöst. Nach dem Zinsentscheid schienen diese Befürchtungen zerstreut: In New York stieg der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude zeitweise auf den Rekordwert von 82,38 Dollar, bei Handelsschluss lag er bei 81,51 Dollar. Auch in Asien stieg der Ölpreis über die Rekordmarke von 82 Dollar.

Glos warnt vor Konjunkturdämpfer

Der Euro stieg nach der Senkung des US-Leitzinses in New York zeitweise auf die Rekordhöhe von 1,3988 Dollar, bevor er wenig später wieder auf die immer noch historische Marke von 1,3987 Dollar fiel. Am Morgen lag die europäische Gemeinschaftswährung im Tokioter Handel bei 1,3966 Dollar.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte in der "Bild"-Zeitung vor negativen Folgen der Krise auf den US-Finanzmärkten für die deutsche Konjunktur. Der niedrige Dollarkurs und der hohe Ölpreis könnten der zur Zeit sehr robusten Konjunktur "einen Dämpfer verpassen", sagte der Wirtschaftsminister. "Wenn der Dollarkurs weiter sinkt, trübt das unsere Exportchancen." Von einem Abschwung wollte der CSU-Politiker allerdings nicht sprechen. Es gehe um "eventuelle Schwankungen der Wachstumsraten". (mit dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben