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Börsen nach den Wahlen : Anleger treiben Dax auf Rekordhoch

Aufatmen an den Börsen: Nach den Wahlen in Europa und in der Ukraine greifen Anleger zu Aktien. Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch. Doch nicht überall wird gefeiert.

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Gute Stimmung. Nach dem Wahö-Wochenende hatten die Broker in Frankfurt viel zu tun. Foto: dpa
Gute Stimmung. Nach dem Wahö-Wochenende hatten die Broker in Frankfurt viel zu tun.Foto: dpa

Ein Handelstag nach dem Geschmack der Anleger: Am Montag stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) bis zum Nachmittag auf ein neues Rekordhoch von zeitweise 9875 Zählern. Nur 125 Punkte fehlen noch und die magische Marke von 10000 Punkten ist erreicht. Ein Dax-Stand, den selbst Optimisten vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten hatten in diesem Jahr. Der Euro-Kurs sprang auf Werte um 1,365 Dollar.

Nach dem großen Wahl-Wochenende machte sich am Montag Erleichterung bei den Anlegern breit. Vor allen die Ergebnisse in der Ukraine sorgten für Entspannung. An der Moskauer Börse stiegen die Kurse. “Die Investoren setzten ganz klar auf eine Beruhigung der geopolitischen Spannungen“, erklärte Oleg Shagov, Chefanalyst der Promsvyazbank. Der RTS-Leitindex, der die Aktien in Dollar abbildet, zog ebenso wie der Index für die in Rubel gelisteten Titel um ein Prozent an. Der Rubel stieg ebenfalls deutlich, so dass der Dollar um 0,4 Prozent auf 34,0250 Rubel fiel und damit so niedrig wie seit Januar dieses Jahres nicht mehr notierte. Der Euro verbilligte sich sogar um 0,5 Prozent auf 46,3680 Rubel, ebenfalls ein Vier-Monats-Tief. Der proeuropäische Oligarch Petro Poroschenko hatte bei der Wahl am Sonntag einen überraschend klaren Sieg errungen und soll die tief gespaltene Ukraine nun aus der Krise führen. Der Rubel profitierte aber auch von technischen Faktoren. So müssen Ende des Monats viele russische Exporteure ihre Auslandswährungen in Rubel umtauschen, um die Steuern zu zahlen.


Die Europäische Zentralbank will notfalls eingreifen

An der Frankfurter Börse kamen auch Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi gut an. Europas Währungshüter ringen um eine ausgewogene Reaktion auf die Risiken zu niedriger Inflationsraten. „Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt“, bekräftigte Draghi am Montag bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra.
Zwar erwarte die Notenbank weiterhin, dass die Teuerungsraten sich mittelfristig wieder dem Stabilitätsziel der EZB von knapp unter 2,0 Prozent annähern werden. „Es ist dennoch unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und bereit zu sein zum Eingreifen, falls notwendig“, betonte Draghi. Nach der nur kurzen Freude beim letzten Dax-Rekordstand Mitte Mai trauen technische Analysten dem deutschen Leitindex nun einen längeren Höhenflug zu. Marktanalyst Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX hält noch in dieser Woche den Sprung über die 10 000-Punkte-Marke für möglich.

Abschneiden der Extremen irritieren die Börsen

Das starke Abschneiden des rechtsextremen Front National bei der Europawahl sorgte indes am französischen Finanzmarkt für Verunsicherung. Der Pariser Leitindex notierte am Montag mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent nur knapp im Plus. Das Nachsehen hatten auch die zehnjährigen Staatsanleihen des Landes. Die Kurse gingen etwas zurück, im Gegenzug kletterte die Rendite auf 1,830 Prozent nach 1,816 Prozent im Geschäft vom Freitag. “Die mit einer satten Mehrheit regierende sozialistische Partei hat bei der Europawahl einen herben Schlag erlitten“, urteilte Commerzbank-Analyst Christoph Weil in einem Kommentar. “Damit bleibt es für die Regierung schwierig, die notwendigen Reformen umzusetzen“

In Griechenland ließen Anleger nach dem Sieg der im Linksbündnis Syriza versammelten Reformgegner bei den Europawahlen am Montag die Finger von griechischen Aktien. Der Athener Leitindex notierte am Montag in der Spitze 0,4 Prozent schwächer. Die konservative Regierungspartei “Neue Demokratie“ von Ministerpräsident Antonis Samaras belegte am Sonntag den zweiten Platz. Ihr Koalitionspartner, die einst mächtige sozialdemokratische Pasok landete noch hinter der rechtsradikalen Partei “Goldene Morgenröte“, landete lediglich auf dem vierten Platz. mit rtr

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