Wirtschaft : Börsen ohne Orientierung: "Die schwachen Hände sind raus aus dem Markt"

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Fondsmanager und Analysten sehen Anzeichen für eine Kapitulation der Anleger. Der Zeitpunkt sei erreicht, da niemand mehr verkaufen wolle. Neben den hohen Kursverlusten signalisieren die Umsätze eine panikartige Stimmung. Diese ist nach einhelliger Meinung nötig, damit die Talfahrt an den Börsen ein Ende findet.

Gottfried Heller, Chef der Fiduka Depotverwaltung : "Die Märkte befinden sich in der Schlussverkaufsphase, in der fallende Kurse von hohen Umsätzen begleitet werden."

Karl Fickel, Partner beim Vermögensverwalter Lupus Alpha , sieht besonders am Neuen Markt Anzeichen für einen "Sell-Off" (Ausverkauf). Die Umsätze waren hoch, es sei - wohl auch von institutionellen Anlegern - nur noch "draufgedroschen" worden. "Im Moment ist der Markt ausschließlich von Psychologie getrieben." Die Serie von Gewinnwarnungen dürfte vorerst nicht abreißen, meint Fickel. Im zweiten Quartal aber, wenn sich auch die Konjunkturentwicklung in den USA und Europa klarer einschätzen lasse und Firmen wieder für positive Überraschungen sorgen dürften, lichte sich der Nebel.

Getrud Traud, Bankgesellschaft Berlin : Neben der Kapitulation sind nach ihrer Meinung eine niedrige Aktienbewertung, eine hohe Liquidität und eine Stabilisierung der Erwartungen nötig, damit an den Märkten die Talfahrt zu Ende geht. "Drei dieser vier Kriterien sind erfüllt. In der Kapitulation sind wir mittendrin. Im Deutschen Aktienindex Dax sind die meisten Aktien günstig bewertet. Die amerikanische Notenbank (Fed) wird ihre expansive Geldpolitik fortsetzen, und Europa wird auch damit beginnen," ist sich die Aktienmarktstrategin sicher. Nur mit der Stabilisierung der Erwartungen hapere es noch. "Beim Wirtschaftswachstum und bei den Unternehmensergebnissen erleben wir seit Wochen eine Korrektur nach unten." Doch die Fed werde wahrscheinlich noch vor ihrem nächsten Treffen am 15. Mai die Zinsen erneut senken und damit einen Beitrag leisten, um die Erwartungen zu stabilisieren", sagt Traud.

Kai Franke, BHF-Bank : "Ebenso wie die Märkte die Zinserhöhungen in der Übertreibung nach oben ignorierten, nehmen sie jetzt in der Übertreibung nach unten die Zinssenkungen nicht wahr." Auf Sechs-Monats-Sicht würde sich dieser Faktor aber an der Börse niederschlagen, ist sich der Aktienresearchleiter sicher. "Dann kann es plötzlich eine sehr schnelle Gegenbewegung nach oben geben - auch wenn sich das jetzt niemand vorstellen kann."

Gottfried Heller, früherer Weggefährte des verstorbenen Börsenaltmeisters Kostolany : Auch er erwartet die Wende: "Aktien sind heute so billig wie seit fünf Jahren nicht mehr." Im Dax und im Dow-Jones läge das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältniss unter 20. "Die schwachen Hände sind raus aus dem Markt."

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