Wirtschaft : Börsen ohne Orientierung: Weltweit schwankende Kurse verunsichern die Investoren

pot

Die Sorge vor weiteren Kursverlusten hat auch am Mittwoch die Börse verunsichert. Nach einem sehr schwachen Handelsauftakt erholten sich die Aktien zwar teilweise wieder. Anhaltend negative Vorgaben aus den USA und die labile Konjunktur trübten die Stimmung am Aktienmarkt aber unverändert. Am Neuen Markt setzte sich die Talfahrt fort. Das Deutsche Aktieninstitut rechnet mit weiteren Pleiten.

Nachdem der Dax am Morgen unter die wichtige Marke von 5400 Punkte gefallen war und neue Ängste vor weiteren Verlusten aufkamen, setzten sich gegen Abend die Auftriebskräfte durch: Das Barometer drehte in die Gewinnzone ab. Auch am Neuen Markt gingen die Aktien auf Achterbahnfahrt. Der Nemax-50 markierte zunächst ein neues Rekordtief, verzeichnete gegen Abend dannnur noch ein Minus von 1,2 Prozent. "Die Marktteilnehmer sind durch die hohen Schwankungen am Markt sehr verunsichert", sagte ein Händler. Der Kursverlauf in Deutschland hänge in erster Linie von der Bewegung der US-Märkte ab.

Dort starteten die Aktien am Mittwoch nach den schweren Verlusten am Dienstag mit leichten Gewinnen in den Handel. Später tauchten allerdings auch der Standardwerte-Index Dow Jones und der Nasdaq-Index wieder ins Minus ab. Am Dienstag war der Dow Jones um fast drei Prozent, die Nasdaq um 6,2 Prozent eingebrochen. Mit Spannung wurde am Nachmittag eine Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor dem Finanzausshuss des US-Sentas erwartet. Die Hoffnungen von Börsianern auf Hinweise zur weiteren Zinspolitik wurden aber enttäuscht. Zu den Aussichten der US-Konjunktur und der künftigen Entwicklung der Leitzinsen äußerte sich der Notenbankchef nicht. Er sagte lediglich, Kapitalzuflüsse in die USA hätten zu einer Steigerung der US-Produktivität beigetragen. Im Übrigen warnte er angesichts der sich verlangsamenden Weltkonjunktur vor zunehmendem Protektionismus.

Während die Aktienkurse weiter fielen, beschäftigte die Wall Street die Frage, wieviel die Unternehmen heute wirklich wert sind. "Im Moment gibt es einfach keinen Grund zu kaufen", sagte dazu der Analyst Richard Cripps von Legg Mason. "Auch wenn die Kurse niedrig sind, den Investoren sind sich nicht niedrig genug." Die Anleger sind besorgt über eine scheinbar nicht enden wollende Reihe von schlechten Nachrichten der großen Namen, wie zum Beispiel American Express und Procter & Gamble. Das Kreditkartenunternehmen gab zu Beginn der Woche eine Gewinnwarnung heraus, während Procter & Gamble im vergangenen Monat ankündigte, insgesamt fast 10 000 Stellen zu streichen. Auch diverse Maklerunternehmen kündigten unterdessen massiven Personalabbau an. Citigroup, der weltweit größte Finanzdienstleister, und Morgan Stanley, die drittgrößte US-Investmentbank, stellten Entlassungen in Aussicht.

Die Stimmung am Neuen Markt, der am Dienstag um fast neun Prozent abgestürzt war, blieb auch am Mittwoch angespannt. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) erwartet, dass einige der an der Wachstumsbörse gehandelten Werte "vom Kurszettel verschwinden". Vorstandsmitglied Rüdiger von Rosen sagte auf der Jahrespressekonferenz des Instituts, ein Grund der zuletzt gemeldeten Pleiten sei die Tatsache, dass die Zulassung am Neuen Markt in der Vergangenheit "recht großzügig" erfolgt sei. So hätten nicht alle Firmen ein Risiko-Managementsystem, obwohl das schon lange gesetzlich vorgeschrieben sei. Angesichts des dramatischen Kurseinbruchs am Neuen Markt geht es nach Meinung des DAI darum, einen Vertrauensverlust gegenüber der Aktie zu verhindern. Erhebungen über die Aktionärszahlen deuteten indes noch nicht darauf hin, dass sich Anleger aus der Aktienanlage zurückzögen.

Damit das auch so bleibt, plädiert das DAI für eine Verschärfung des Anlegerschutzes im Zuge des geplanten Vierten Finanzmarktförderungsgesetztes. Insbesondere das Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe) müsse gestärkt werden, etwa durch eine Ausweitung der eigenen Ermittlungsbefugnisse oder durch die Anbindung einer speziellen Staatsanwaltschaft beim BAWe. Bisher funktioniere die Zusammenarbeit der Behörden bei der Verfolgung regelwidriger Börsengeschäfte nicht reibungslos.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben