Börsen reagieren auf Federal Reserve : Anlegern passt US-Zinsentscheid nicht

Nach der vertagten Zinswende in den USA sind Kurssprünge an den Börsen ausgeblieben. Die Aussagen von Fed-Chefin Yellen nähren Zweifel an der Konjunkturentwicklung.

Mit Spannung hatten die Börsen weltweit auf die Entscheidung der US-Notenbank Fed gewartet, auch in Frankfurt am Main.
Mit Spannung hatten die Börsen weltweit auf die Entscheidung der US-Notenbank Fed gewartet, auch in Frankfurt am Main.Foto: REUTERS

Die weltweiten Börsen haben überwiegend negativ auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed reagiert. Die Notenbank hatte am Donnerstagabend den Leitzins nahe der Nulllinie belassen und ein geringeres Tempo für Zinserhöhungen im kommenden Jahr angekündigt.

Der deutsche Leitindex Dax startete am Freitagmorgen bei 10.115 Punkten gut ein Prozent im Minus. Auch die Indizes der mittelgroßen und technologielastigen Unternehmen eröffneten schwächer. Der M-Dax verlor 0,8 Prozent auf 19.601 Punkte, der Tec-Dax bewegte sich um den Vortagesschluss bei 1770 Punkten. Börsianer hoben auf die zum Ausdruck kommende Konjunkturskepsis ab.

Die Unsicherheit über die Weltwirtschaft wächst

Zuvor war es bereits in Tokio und New York mit den Kursen bergab gegangen. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial fiel in die Verlustzone und schloss mit 0,39 Prozent im Minus bei 16 674,74 Punkten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel am Freitag um 362,06 Punkte oder 1,96 Prozent und ging beim Stand von 18 070,21 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste Topix büßte um 29,53 Punkte oder 1,98 Prozent auf den Stand von 1462,38 Zählern ein.

Auf dem historisch niedrigen Niveau verharrt der US-Leitzins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, bereits seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008. Vor einer Anhebung der Zinsen erwartet Fed-Chefin Janet Yellen wirtschaftliche Fortschritte. „Die Zinsanhebung erfordert weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt und eine Annäherung der Inflation an den Zielwert von 2,0 Prozent“, hatte sie am Donnerstagabend in Washington gesagt. Die oberste US-Währungshüterin nannten keinen konkreten Zeitpunkt, machte aber klar, dass die meisten Mitglieder des geldpolitischen Rates die Zinswende noch in diesem Jahr erwarten. Auch die nächste Fed-Sitzung im Oktober sei dafür nicht auszuschließen.

ZEW-Präsident Clemens Fuest die Fed vor einem Verlust der Glaubwürdigkeit gewarnt. „Sie kann nicht immer wieder Zinserhöhungen ankündigen und sie dann verschieben“, sagte Fuest am Freitag im Deutschlandfunk.

China bildet einen Gegenpol

Analysten begründen die verhaltenen Reaktionen der Börsianer mit gestiegenen Unsicherheiten nach der Zinsentscheidung. „Mit der aufgeschoben Zinswende in den USA ist die Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung und den Weg der Wirtschaft weiter gestiegen“, sagte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel.

In China sorgte die Nachricht aus Washington allerdings für positive Stimmung. Hier schlossen die Börsen leicht im Plus. Für China und andere Schwellenländer ist die Fortsetzung der Niedrigzinspolitik eine gute Nachricht. Denn manche Experten befürchten von dort Kapitalabflüsse, wenn die US-Zinsen steigen.

Der Euro wird stärker

Der Euro kletterte nach der verschobenen Zinswende im Vergleich zum US-Dollar auf dem höchsten Stand seit Ende August. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1410 US-Dollar und damit deutlich mehr als vor der Entscheidung der US-Notenbank Fed am Donnerstagabend. Von einer Zinsanhebung hätte der Dollar gegenüber dem Euro tendenziell profitiert, weil die Geldanlage in den USA attraktiver geworden wäre.

Die Ölpreise reagierten kaum. Am Freitagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 49,14 US-Dollar. Das waren sechs Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober gab um 13 Cent auf 46,77 Dollar nach. (sf/dpa)

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