Wirtschaft : Börsen reagieren entsetzt auf Terroranschläge

Die Attentate in Madrid geben Anlass zu massiven Verkäufen/Dax verliert über drei Prozent

-

Frankfurt(Main)/Berlin (msh/vis/dr). An den deutschen Aktienmärkten ist es am Donnerstag zu drastischen Kursverlusten gekommen. Der Deutsche Aktienindex Dax fiel zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent und notierte zum Schluss des elektronischen XetraHandels bei 3904 Punkten, ein Minus von 3,46 Prozent. Der im späteren Parketthandel berechnete L-Dax schloss mit einem Abschlag von 2,4 Prozent bei 3929 Zählern. Weniger stark reagierten die Börsen in New York. Der Dow-Jones-Index verlor 1,64 Prozent und ging mit 10 128 Punkten aus dem Handel, die US-Technologiebörse Nasdaq gab um 1,03 Prozent auf 1943 Zähler nach.

Die US-Börsen hatten zwischenzeitlich sogar Gewinne verbuchen können, weil sie von der optimistischen Einschätzung der Beschäftigungslage durch US-Notenbankchef Alan Greenspan profitiert hatten. Allerdings zeigte sich die Wall Street zunehmend nervöser und verlor vor allem in der letzten Handelsstunde massiv an Boden. Die europäischen Aktienmärkte, allen voran der deutsche, wurden dagegen von Anfang an durch die Anschlagserie in Spanien erschüttert. Vor allem die Aktien des Reisekonzerns Tui und die Papiere der Lufthansa gerieten unter Druck. Tui-Aktien büßten sieben Prozent, Lufthansa-Papiere fast fünf Prozent. „Wenn in Spanien etwas passiert, wird Tui in Mitleidenschaft gezogen. Viele Urlauber halten sich dann mit Reisen zurück“, sagten Analysten am Donnerstag.

Kursverluste verzeichneten auch die Technologiewerte, die bereits seit längerem als überbewertet gelten. Der Technologieindex Tec-Dax sank um über vier Prozent und damit noch stärker als der Gesamtmarkt. Aber auch die Technologiewerte im Dax verloren deutlich an Wert – was nicht mit den Terroranschlägen zusammenhängt. Vielmehr waren die Aktienkurse von Softwareentwicklern, Chipherstellern oder Handyproduzenten im letzten Jahr besonders rasant gestiegen. Die Kurse von SAP oder Infineon haben sich seit ihren Tiefstständen im März 2003 nahezu verdoppelt. Noch heftigere Kurssprünge gab es im Tec-Dax bei Werten wie Aixtron oder Mobilcom.

„Spätestens seit Januar war klar, dass der Technologiesektor deutlich überbewertet ist“, sagt Takis Spiliopoulos, Technologieexperte des Schweizer Bankhauses Vontobel. „Die Erwartungen der Finanzmärkte sind nach der Erholung im vergangenen Jahr ins Unermessliche gestiegen.“ Zwar glänzten viele Hightech-Firmen mit guten Quartalszahlen; sie konnten die Gewinne aber nur deshalb steigern, weil sie mit rigorosen Sparprogrammen die Kosten gesenkt haben. Die Umsätze, Zeichen für eine steigende Nachfrage, seien dagegen nur mäßig gestiegen.

Auch Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sieht zumindest bei den High-Tech-Werten wieder Übertreibungen am Markt. „Da gibt es zum Teil wieder Bewertungen wie zu den guten Zeiten des Neuen Marktes. Bei den großen Dax-Werten sehe ich das jedoch noch nicht so.“ Doch eine Fortsetzung der guten Performance der vergangenen Monate erwartet Hocker nicht. „Die Luft ist raus“, sagt er. So mache ein großes Dax-Unternehmen wie etwa die Deutsche Telekom weiter Fortschritte bei der Restrukturierung, und weitere Ertragssteigerungen würden auch der Aktie Auftrieb geben.

Bei 18 Euro sieht Marcus Schmitz, Telekomanalyst beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser, die T-Aktie noch in diesem Jahr. Andere Analysten haben für das Dax-Schwergewicht sogar Kursziele von bis zu 21 Euro gesetzt. Am Donnerstag entwickelte sich die T-Aktie allerdings im Gleichklang mit dem Markt. Das Papier sank um 3,93 Prozent auf einen Schlusskurz von 14,93 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben