Wirtschaft : Börsen rechnen gemeinsam ab

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Anleger bekommen gleiche KurseAFP

FRANKFURT (MAIN).Die deutsche Börsenlandschaft steckt im Umbruch.Frankfurt streitet um seine Stellung als zweiter Aktienumschlagplatz Europas nach London, die sieben regionalen Börsen der Republik liefern sich einen harten Konkurrenzkampf um die Nischen auf dem Wertpapiermarkt.Doch nun raufen sie sich zusammen: Sieben der acht Börsenplätze mit Ausnahme Bremens gleichen ab morgen schrittweise ihre Kurse an.Bis Mitte Juli werden die Orderbücher für die hundert wichtigsten deutschen Wertpapiere damit beinahe im ganzen Land einheitlich geführt.Damit macht es künftig keinen finanziellen Unterschied mehr, an welcher Börse etwa ein Verkaufsauftrag über 50 T-Aktien abgewickelt wird. Die Neuerung mit dem einprägsamen technischen Namen "Dachskontro" (Skontro bedeutet Orderbuch) dürfte einen Mißstand beseitigen, der aus der gewachsenen Vielfalt der deutschen Börsen resultiert: Bislang rechnet jede Börse zum Auftakt und zum Abschluß des Handelstages ihre eigenen Aktienkurse aus.Am Mittag legt sie zudem einen Kassakurs fest, der das Herzstück des Aktienhandels für Kleinanleger ist.Denn zu diesem Preis werden die im Laufe des Tages eingegangenen Aufträge abgewickelt, die entweder weniger als 50 Aktien mit einem Nennwert von 50 DM oder weniger als 100 Fünf-DM-Aktien umfassen.Je nach regionalen Aufträgen und Umsätzen liegen die Aktienkurse in Frankfurt, Düsseldorf, München und Berlin oder in Stuttgart, Hamburg, Hannover und Bremen bisher auseinander. Die Unterschiede machen zwar zumeist nur Pfennigbeträge aus.Doch nach Angaben der Deutschen Börse AG liegt zwischen zwei Kassakursen desselben Papieres an einem Tag in einzelnen Fällen rund ein Prozent - je nach Orderumfang und Aktienwert ein stattlicher Verlust, der bis in die Höhe einer Jahresdividende reichen kann.Nun wird es zumindest in Frankfurt, Düsseldorf, München, Berlin, Stuttgart, Hamburg und Hannover gemeinsame Anfangs-, Schluß- und Kassakurse geben.Den Großteil der Arbeit wickeln die Makler in Frankfurt ab.Sie berechnen aus den Orders die Kurse für die 30 Werte des Deutschen Aktien-Index (DAX) und 37 weiterer Papiere.Die 23 Aktien nordrhein-westfälischer Gesellschaften werden dann in Düsseldorf geführt, die bayerischen in München und die Berliner in der Hauptstadt.Die kleinen Regionalbörsen liefern nur noch ihre Aufträge zu. In der ungewohnten Harmonie tanzt allein Bremen aus der Reihe.Börsenchef Axel Schubert begründet die Zurückhaltung der Hanseaten vor allem mit den längeren Öffnungszeiten an der Bremer Börse.Die werktäglichen Handelszeiten von 8.30 Uhr bis 15.45 Uhr hätten sich seit ihrer Einführung Anfang vergangenen Jahres durchgesetzt.

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