Wirtschaft : Börsen schon wieder im Internet-Fieber

Ebay, Amazon, Yahoo & Co. steigern ihre Gewinne – aber die Kurse legen noch schneller zu

Walter Pfaeffle

New York. Glaubt man den jüngsten Quartalsergebnissen, sind Internet-Aktien wieder gefragt. Seit Jahresbeginn haben die Papiere von Amazon.com um 33 Prozent zugelegt. Am Freitag gab das weltweit größte Internet-Kaufhaus für das erste Quartal 1,1 Milliarden Dollar Umsatz bekannt, ein Zuwachs von 28 Prozent gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode. Hierdurch sei der Verlust um mehr als die Hälfte auf zehn Millionen Dollar geschrumpft. Gratis-Zustellungen und Rabatte bis zu 30 Prozent hätten den Umsatz angetrieben, hieß es. Prompt kletterte der Kurs im nachbörslichen Handel um mehr als zehn Prozent auf 28,08 Dollar.

„Man sieht, das Geschäftsmodell trägt allmählich Früchte“, kommentierte der Analyst Jon Shoen von der Firma Insight Capital Management das unerwartet robuste Umsatzplus. Angesichts von Milliardenverlusten in der Vergangenheit hatte man die Überlebenschancen des Unternehmens als gering eingeschätzt. Jetzt scheint Amazon an der Wall Street wieder Anhänger zu finden und mehrere Analysten schließen einen Gewinn in diesem Jahr nicht aus – den ersten seit der Firmengründung im Jahr 1994. Kräftige Kursgewinne verzeichnen auch andere Internet-Werte: Die Aktien des Online-Portals Yahoo kletterten seit Anfang 2003 um 53 Prozent und die des Auktionshauses Ebay notieren mit einem Plus von 33 Prozent. Offensichtlich spekuliert man an der Wall Street, dass die Überlebenden des Ausleseprozesses im Internetsektor daraus gestärkt hervorgegangen sind.

Analysten beunruhigen allerdings die hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (siehe Lexikon auf dieser Seite) der Web-Firmen, obwohl Amazon und Yahoo noch deutlich unter ihren in 1999 und 2000 erzielten Höchstständen liegen. Amazon gilt als der riskanteste Wert. Bei einem Aktienkurs von 28 Dollar wird das Papier um mehr als das 80-Fache des für 2003 erwartete Pro-Forma Gewinns von 32 Cent je Aktie gehandelt. Der Pro-Forma-Gewinn schließt jedoch den Aufwand für Restrukturierung und Aktienoptionen aus. Berücksichtigt man diese Kosten im ausgewiesenen Gewinn, wären Amazon-Aktien an der Börse nicht mehr als zehn Dollar wert, schätzen Analysten. Yahoo hat zwar in letzter Zeit mehr Bezahlkunden gefunden, ist jedoch nach wie vor stark von der Werbung abhängig, deren Wachstumsaussichten skeptisch beurteilt werden. Yahoo wird um mehr als das 70-fache des für 2003 erwarteten Gewinns von 35 Cent je Aktie gehandelt. Der angemessene Wert wäre im Urteil von Analysten 15 Dollar je Aktie statt 25. Das würde immer noch einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 45 entsprechen.

Ebay schlägt alle Internet-Aktien. Doch der Erfolg des führenden Online-Auktionshauses stecke im Aktienkurs von 90 Dollar bereits drin, sagen Analysten. Ebay kostet 67 mal so viel wie der für 2003 erwartete Gewinn. Die Experten halten 60 Dollar – das 44-Fache – für realistischer. Der Internet- Index der Wall- Street-Bank Goldman Sachs ist seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent gestiegen gegenüber einem Zuwachs von fünf Prozent des Standard & Poor’s-Index für 500 Aktien. Deswegen ist die Mehrheit der Analysten davon überzeugt, dass die „dot.com“-Firmen dem Gesamtmarkt zu weit voraus geeilt sind.

Trotz der hohen Bewertung sind die Aussichten für die Unternehmen selber aber weiterhin gut. Ebay ist mit Abstand das erfolgreichste Web-Unternehmen. Mitten in der Wirtschaftskrise meldete die Firma vergangene Woche steigende Umsätze und Gewinne – und erhöhte die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. 104 Millionen Dollar verdiente Ebay im ersten Quartal, fast doppelt soviel wie Vorjahr. Der Umsatz stieg von 245 Millionen auf 476 Millionen Dollar. Vor allem das internationale Geschäft und der in 2002 übernommene Zahlungsdienstleister Paypal hätten das Geschäft belebt, hieß es bei dem Unternehmen. Ebay ist anderen Internetunternehmen wie Amazon und Yahoo weit voraus. Während die Anleger bei Amazon noch immer etwas zittern und Yahoo viele Konkurrenten hat, steht Ebay konkurrenzlos da und verdient blendend. Im Vergleich dazu liegen Yahoo und Amazon zwar schlechter – aber auch sie können steigende Gewinne vorweisen.

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