Wirtschaft : Börsen sehen Euro-Rekord gelassen

Gemeinschaftswährung bei 1,3548 Dollar, trotzdem ist die Stimmung an den Aktienmärkten gut

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Frankfurt am Main/Berlin Heiligabend war der Euro so wertvoll wie noch nie. In London kletterte der Kurs auf den Rekordstand von 1,3548 Dollar – und stellte somit den erst einen Tag alten Rekord aus New York von 1,3516 Dollar ein. Obwohl Experten sagten, dass man den Kurs nicht überbewerten sollte – schließlich seien die Umsätze sehr dünn gewesen –, rechnen sie doch in der nächsten Zeit mit einem weiteren Anstieg des Euro. Für die Aktienmärkte spielt das zurzeit kaum eine Rolle. In die Weihnachtstage verabschiedete sich der Deutsche Aktienindex (Dax) mit einem Jahreshoch. Und die Stimmung ist vorerst gut, dank des wieder sinkenden Ölpreises. Analysten rechnen damit, dass die Kurse nach einem ruhigen Handel bis Silvester im neuen Jahr noch einmal anziehen werden.

Seit Jahresbeginn hat der Euro gegenüber dem Dollar etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. Dadurch werden europäische Waren, die in den Dollarraum exportiert werden, teurer. Noch auf längere Sicht wird die amerikanische Währung durch das hohe Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit der USA geschwächt. Deshalb halten die meisten Experten es auch für wahrscheinlich, dass der Dollar gegenüber dem Euro weiter nachgeben wird.

In der letzten Handelswoche 2004 rechnen Marktteilnehmer nicht mit größeren Bewegungen bei den Aktien. Schon die vergangene kurze Handelswoche war von dünnen Umsätzen gekennzeichnet gewesen. An den vier Handelstagen bis zum Jahresende werden der Ölpreis und die Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses die wichtigsten Impulse sein. Unternehmensdaten stehen praktisch keine zur Veröffentlichung an.

In der letzten Handelswoche könnte es schon allein wegen der dünnen Umsätze zu größeren Kursausschlägen bei einzelnen Aktien kommen. „Wir sitzen hier nur mit halber Mannschaft, zwei, drei größere Aufträge können da schnell die Kurse bewegen“, sagte ein Händler. Die Analysten von Barclays Private Capital rechnen erst ab dem 4. Januar wieder mit einem „ernsthaften Handel“. Die Indizes dürften dann noch eine Weile nach oben weisen. „Alles sieht danach aus, dass die Weihnachts-Rallye bis in den Januar andauern wird“, schreiben die Analysten.

In Deutschland etwa haben die Optimisten die Mehrheit. Laut einer Umfrage von Cognitrend im Auftrag der Deutschen Börse rechnen sich mittlerweile zwei von drei Anlegern zu den Bullen, sind also zuversichtlich, was die weitere Kurs-Entwicklung angeht. Im Vergleich zur Vorwoche hat ihr Anteil um sieben Prozentpunkte auf 65 Prozent zugelegt. In den wenigen verbleibenden Handelstagen sei daher die Fortsetzung der Rallye nicht unwahrscheinlich, erwartet Cognitrend-Geschäftsführer Joachim Goldberg. cw (HB)/Tsp

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