Börsen unter Druck : Japan drückt die Kurse

Die Sorge um die Wirkung der expansiven Geldpolitik lässt den Nikkei abstürzen. Und die Weltbank korrigiert ihre Wachstumsprognose nach unten. .

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Lange Gesichter gab es am Donnerstag an der Tokioter Börse. In den vergangenen zwei Wochen hat der Nikkei-Index fast 20 Prozent verloren.
Lange Gesichter gab es am Donnerstag an der Tokioter Börse. In den vergangenen zwei Wochen hat der Nikkei-Index fast 20 Prozent...Foto: dpa

Die fröhlichen Wochen für Aktionäre scheinen erst mal vorbei zu sein. Vor allem Unsicherheit über Ausmaß und Effekte der expansiven Geldpolitik in Japan und den USA drückte am Donnerstag auf die Kurse. Der Nikkei-Index fiel in Tokio um 6,35 Prozent. Inzwischen hat der japanische Leitindex sämtliche Gewinne eingebüßt, die er im Zuge der aggressiven Geldpolitik durch die Bank of Japan in den vergangenen Wochen erzielt hatte. Seit ihrem Jahreshoch vor rund vier Wochen haben die Aktienkurse in Japan um die 20 Prozent verloren. Der Kursrutsch in Asien beeindruckte auch die deutsche Börse, der Dax verlor zu Beginn des Handels knapp zwei Prozent und rutschte erstmals seit Anfang Mai wieder unter die 8000-Punkte-Marke. Im Verlauf beruhigte sich der Handel und der Dax lag nur noch ein knappes Prozent unter dem Vortagsschluss.

Dabei hatte auch die Wall Street schwächer eröffnet. Wie bereits seit Wochen war der mögliche Kurswechsel in der Geldpolitik das beherrschende Thema. Ermutigende Konjunkturdaten bremsten jedoch den Abwärtstrend: Ein Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe signalisierte eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt. Zudem konnte der Einzelhandel seinen Umsatz unerwartet deutlich steigern. Viele Investoren bereiteten sich aber eben auch wegen der positiven Konjunkturdaten darauf vor, dass die Notenbank Fed zum Jahresende die Geschwindigkeit ihres Anleihe-Kaufprogramms verlangsamen könnte. „Das lockere Geld half uns auf dem Weg nach oben. Jetzt wachsen die Sorgen, dass es damit vorbei ist“, erklärte Andre Bakhos von Lek Securities in New York.

In Tokio wachsen die Zweifel, ob die Geldschwemme der Notenbank dauerhaft wirkt. Im ersten Quartal hatte sie immerhin zu einer Wachstumsrate von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal beigetragen. Doch inzwischen wertet der Yen auf und verteuert Japans Exporte. Zudem signalisieren steigende Renditen für Staatsanleihen die kritische Haltung von Anlegern. Die Bank of Japan kauft monatlich Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 55 Milliarden Euro. Das soll helfen, die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft aus dem Teufelskreis sinkender Verbraucherpreise und stagnierenden Wirtschaftswachstums zu führen.

Entscheidend ist ein schwacher Yen, um die Exporte in Schwung zu bringen. Das hat lange funktioniert und brachte den Japanern den Vorwurf ein, einen Währungskrieg anzuzetteln. Doch Ende Mai hat der Yen seinen Sinkflug abgebrochen und ist immer stärker geworden. Am Donnerstag fiel der Dollar unter die Marke von 95 Yen und kostet damit so wenig wie zuletzt Anfang April. Selbst japanische Staatsanleihen stehen trotz starker Zukäufe der Notenbank unter Druck. Im Gegenzug steigen die Renditen, was der Notenbank ein Dorn im Auge ist, da die Finanzierungsbedingungen der japanischen Wirtschaft darunter leiden könnten.

Außer der Geldpolitik belasten Sorgen um die Weltwirtschaft die Börsen. Die Weltbank korrigierte am Donnerstag die Wachstumserwartung für die Gruppe der wachstumsstarken Schwellenländer um China, Brasilien und Indien für dieses Jahr von 5,5 auf 5,1 Prozent. Ihre Prognose für die Weltwirtschaft reduzierte die Organisation im Vergleich zum vergangenen Januar leicht von 2,4 auf 2,2 Prozent. Für 2014 werden noch 3,0 nach zuletzt 3,1 Prozent erwartet. 2015 soll das globale BIP um 3,3 Prozent zunehmen. „Während es Zeichen der Hoffnung im Finanzsektor gibt, ist die Abkühlung der Realwirtschaft tatsächlich ungewöhnlich langwierig“, erklärte Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu.

Das nachlassende Wachstum gekoppelt mit der hohen Arbeitslosigkeit in den Industrienationen und ein immer noch schwächelnder Welthandel zählt die Weltbank zu den größten Problemen. In vielen Euro-Ländern bereite die wachsende Arbeitslosigkeit Sorgen. In diesem Jahr schrumpfe die Wertschöpfung im Euro-Raum um 0,6 Prozent, in den kommenden beiden Jahre betrage das Wachstum dann 0,9 und 1,5 Prozent, was für eine Zunahme der Beschäftigung kaum genug sei. Auch zur Geldpolitik äußert sich die Weltbank. „Es gibt größere Spekulationen und eine verbreitete Besorgnis darüber, dass die USA ihre quantitative Lockerung einstellen“, sagte Basu. mit dpa/rtr

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