Wirtschaft : Börsen unter Schock: Wall Street evakuiert - Dax und Dollar stürzen

Die Terroranschläge in den USA haben am Dienstag auch den internationalen Finanzmärkten einen Schock versetzt. Während die Wall Street, die in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers liegt, geschlossen blieb, brachen die Aktien in Europa dramatisch ein. Die Notierungen von Gold und Öl zogen zeitweise kräftig an.

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Fotos: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
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Reaktionen: Weltweites Entsetzen
Hintergrund: Die schlimmsten Terrorangriffe auf Ziele der USA Am Devisenmarkt verkauften Anleger unterdessen in Panik ihre Dollarbestände. Der Euro stieg zwischenzeitlich um bis zu einen Cent auf 0,9093 Dollar. Am Abend lag er bei 0,9145 Dollar. Die Preise für Gold und Rohöl schossen ebenfalls in die Höhe. In Frankfurt fiel der Deutsche Aktienindex in der Spitze um bis zu neun Prozent. Nachdem der Handel wegen einer Bombendrohung vorzeitig beendet wurde, notierte der Dax mit einem Minus von 8,5 Prozent bei 4273,53 Zählern. Dramatische Kursbewegungen waren auch an den anderen europäischen Börsenplätzen zu beobachten. Der Handel in Lissabon wurde ausgesetzt. Die Londoner Börse war am Nachmittag vorsorglich geräumt worden. In den USA schickten tausende Firmen ihre Mitarbeiter nach Hause. Die Sicherheitsvorkehrungen bei US-Unternehmen in zahlreichen Ländern wurden drastisch verschärft. Betroffen war auch die Essener Tochter des Getränkeriesen Coca-Cola. Der Zeichentrick-Konzern Walt Disney schloss seine Vergnügungsparks in den USA. Die Finanzwelt von New York reagierte fassungslos: "Ich mache mir nur Sorgen um die Menschen im World Trade Center", sagte Robert Harrington von UBS Warburg.

Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) stoppte am Abend den steilen Anstieg des Rohölpreises auf knapp 31 Dollar je Barrel. Sie teilte mit, sie werde auch nach den Terror-Attacken weiter an der Stabilität des Öl-Preises arbeiten. Auch die amerikanische Notenbank bemühte sich um Schadensbegrenzung. Sie kündigte an, notfalls Geld zur Stützung in das amerikanische Bankensystem zu pumpen. Kurz zuvor hatte in der Schweiz die Nationalbank SNB erklärt, trotz der verheerenden Ereignisse in den USA müsse das internationale Finanzsystem vorerst nicht gestützt werden. "Die Märkte sind zwar in Aufruhr, aber die Situation ist nicht so, dass etwas Derartiges nötig wäre", sagte der Sprecher der Schweizerischen Nationalbank, Werner Abegg, in Zürich.

Finanzexperten äußerten sich nach den Anschlägen in den USA nur zögerlich zu möglichen wirtschaftlichen Folgen in Deutschland, gingen aber zum Teil bei einem gezielten terroristischen Hintergrund durchaus von langwierigen Schäden aus. Eine Einschätzung sei jedoch so frisch nach der Katastrophe nur schwer möglich, hieß es. Einige Strategen rechnen mit dramatischen Auswirkungen politischer Art. Andere bezeichneten die Reaktionen der internationalen Aktienmärkte als "Kurzschlussreaktion", die bald verpuffen werde. "Falls der terroristische Hintergrund bestätigt wird, werden Gelder auch raus aus den Aktienmärkten und in die Bondmärkte gehen", sagte Karsten Fritsch, Devisen-Analyst bei der Commerzbank, zu den Auswirkungen an den Finanzmärkten. Diese Entwicklung zeichne sich auf der Devisenseite bereits in einem als sicher geltenden Schweizer Franken ab, der nur wenige Stunden nach dem Beginn der Terrorakte sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro zulegte. Fritsch zeigte sich eher skeptisch im Hinblick auf eine schnelle Lösung des Konflikts. "Sollten die USA wirklich eine rigorose Jagd auf die Terroristen machen, befürchte ich nachhaltige Wirkungen auf die Aktienmärkte."

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