Wirtschaft : Börsen weltweit im Aufwind US-Notenbank verbreitet Konjunkturoptimismus

Berlin - Keine 24 Stunden nach der Wende in der US-Geldpolitik sind die Aktienmärkte am Donnerstag schon wieder zur Tagesordnung übergegangen. Die Händler interessierten sich mehr für die Frage, wie das Weihnachtsgeschäft der Unternehmen laufe und wie das vierte Quartal zu Ende gehe, hieß es. Ein unerwarteter Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe am US-Arbeitsmarkt löste neue Sorgen um die Entwicklung der US-Konjunktur aus. Die US-Notenbank Fed hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, sie werde ihre monatlichen Anleihekäufe von 85 auf 75 Milliarden Dollar reduzieren, die Zinsen aber bis auf Weiteres nicht verändern. Damit nahm Fed-Chef Ben Bernanke die Lockerung der Geldpolitik früher zurück, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten.

Der Dax kletterte am Donnerstag auf 9301 Punkte. Auch die Märkte in Asien legten zu. Die US-Börsen, die am Mittwoch mit einem Kurssprung auf die geldpolitischen Entscheidungen der Fed reagiert hatten, eröffneten leicht im Minus. Massiv an Wert verlor das Gold: Der Preis der Feinunze fiel erstmals seit drei Jahren unter die Marke von 1200 Dollar. Auch der Euro verlor im Verhältnis zum Dollar leicht. Er kostete zuletzt 1,36 Dollar.

Die Frage, ob nach der Fed nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel anzieht, beantworteten Experten zurückhaltend. „Die Abhängigkeit von Banken, Konjunktur und Finanzmärkten von der Unterstützung der EZB und ihrer ultralockeren Geldpolitik ist noch lange nicht vorbei“, sagte BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels. Möglich sei im Ernstfall sogar, dass die EZB im Kampf gegen die Nachwirkungen der jüngsten Krise nach dem Vorbild der US-Notenbank zum Äußersten greife. „Wenn alles schiefläuft, dann könnte die EZB am Ende massiv Wertpapiere kaufen müssen.“ Neben einer weiteren Zinssenkung auf 0,1 Prozent innerhalb der kommenden drei Monate rechnet Michels mit mindestens einer weiteren kräftigen Geldspritze für die Banken in der Währungsunion. „Unruhiges Fahrwasser voraus“ sieht die Hessische Landesbank. Angesichts überwiegend negativer Gewinnrevisionen und recht hoher Bewertungen bestehe „bei Aktien fundamental kaum noch Kursspielraum nach oben“. mot, rtr

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