Wirtschaft : Börsenanwärter Q-Cells will rasant wachsen

Solarzellenhersteller aus Sachsen-Anhalt plant Erstnotiz für Oktober / Am Stammsitz sollen neue Arbeitsplätze entstehen

Moritz Döbler,Anselm Waldermann

Berlin - Mit dem bevorstehenden Börsengang will der Solarzellenhersteller Q-Cells aus Thalheim in Sachsen-Anhalt sein rasantes Wachstum beschleunigen. Finanzvorstand Hartmut Schüning wollte sich am Mittwoch nicht zu Details äußern, bekräftigte aber den grundsätzlichen Kurs des Unternehmens. „Unsere Strategie setzt auf Expansion und Kostensenkung. Das heißt, wir wollen in den nächsten Jahren in Thalheim weitere Fabriken und Arbeitsplätze schaffen und in Forschung und Entwicklung investieren“, sagte er dem Tagesspiegel.

Am morgigen Freitag sollen die Modalitäten des Börsengangs endgültig abgestimmt und veröffentlicht werden. Das betreuende Konsortium steht unter Führung der weltgrößten Bankengruppe Citigroup und der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Die Erstnotiz findet Anfang Oktober statt, wenn sich die Welt so entwickelt, wie wir annehmen“, hieß es aus mit den Plänen vertrauten Kreisen. Der Börsengang könne bis zu 300 Millionen Euro einbringen. An anderer Stelle war von lediglich 150 bis 300 Millionen die Rede.

Q-Cells nahm dazu nicht Stellung. „Wir sind nicht gerade glücklich darüber, wie dieses Thema derzeit kommuniziert wird. Von uns kommen diese Informationen nicht, wir werden voraussichtlich am Freitag dazu eine Pressemitteilung herausgeben“, sagte Schüning. Auch Aufsichtsräte wie Christian Reitberger vom Finanzinvestor Apax Partners, der an Q-Cells beteiligt ist, lehnten einen Kommentar ab. Das von Berliner Solar-Pionieren gegründete Unternehmen (siehe Kasten) ist nach eigenen Angaben der weltweit drittgrößte Solarzellen-Hersteller. Im vergangenen Jahr erzielte es einen Umsatz von 129 Millionen Euro; für das laufende Jahr ist angepeilt, diesen Wert nochmals zu verdoppeln. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll im vergangenen Jahr bei 18 Millionen Euro gelegen haben. Bisher weist Q-Cells Gewinne nicht aus, dürfte dies aber am Freitag erstmals tun.

Die Expansion soll am Stammsitz Thalheim stattfinden, wo Q-Cells in fünf Jahren bereits mehr als 700 Arbeitsplätze geschaffen hat. Den vier Gründern gehören zusammen 19 Prozent des Unternehmens, den Rest halten unter anderem Geldgeber wie Immo Ströher und Marcel Brenninkmeijer, die seit Jahren in der Solarbranche investieren – der eine gehört zur langjährigen Wella-Dynastie, der andere ist Mitglied der C & A-Familie.

Q-Cells hat sich auf die Herstellung von Solarzellen spezialisiert. Marktführer ist in diesem Segment der japanische Produzent Sharp, auf Platz zwei folgt Kyocera. Inwieweit Q-Cells tatsächlich an dritter Stelle steht, ist umstritten: Denn auch die Konkurrenten BP Solar und Mitsubishi Electric kommen auf ähnlich hohe Produktionszahlen.

In Deutschland ist vor allem das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für das starke Wachstum der Branche verantwortlich. Es garantiert den Anbietern von Ökostrom deutlich höhere Abnahmepreise als am freien Markt. So wird Strom aus Sonnenenergie mit rund 50 Cent je Kilowattstunde (KWh) vergütet – konventioneller Strom kostet nur vier Cent.

Analysten begrüßten den geplanten Börsengang. „Die Solarbranche ist ein Wachstumsmarkt“, sagte Arthur Hoffmann, Fondsmanager bei der Schweizer Bank Sarasin, dem Tagesspiegel. „Wenn man da mithalten will, muss man investieren.“ Insofern sei es „eine gute Idee“, wenn sich Q-Cells Geld über die Börse beschaffe. „Allerdings muss man erst schauen, was das Unternehmen genau vorhat“, räumte Hoffmann ein. Eine Empfehlung für Anleger könne er deshalb erst geben, wenn klar sei, wie viele Aktien zu welchem Preis ausgegeben werden.

In der Bundestagswahl sieht Hoffmann hingegen keine Gefahr für die Branche: „Vorübergehend könnte es bei einem Wahlsieg der Union ein wenig Verunsicherung geben. Aber auch eine neue Regierung kommt an den erneuerbaren Energien nicht vorbei.“ Schließlich könne kein Politiker ignorieren, wie viele Arbeitsplätze die Branche geschaffen habe. Außerdem habe sich Deutschland gegenüber der EU verpflichtet, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen.

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