Wirtschaft : Börsenausblick: Alan Greenspan hat sein Pulver noch nicht verschossen

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Die Börsianer in aller Welt schwanken in diesen Tagen zwischen Konjunktursorgen und Zinshoffnungen. Ökonomen sind sicher: Entscheidend für den künftigen Trend an den Aktienmärkten ist die Dauer der Konjunkturflaute in den USA. Weiß Alan Greenspan mehr als die Börse? Um diese Frage drehten sich zuletzt die Diskussionen an den Finanzmärkten weltweit. Wenn die von Greenspan aufgezeigten Konjunkturrisiken zum Tragen kommen, besteht die Gefahr, dass die in den vergangenen Monaten bereits deutlich nach unten revidierten Gewinnprognosen ein weiteres Mal auf den Prüfstand der Analysten gestellt werden müssen.

Allgemein rechnen Analysten für die nächste Zeit mit einer weiteren Konsolidierung an den Börsen. Sie begründen ihre Einschätzung vor allem mit den aktuellen konjunkturellen Risiken in den drei wichtigsten Wirtschaftsregionen USA, Europa und Japan. Vor diesem Hintergrund könnte der Zins als wichtiger Einflussfaktor vorübergehend an Bedeutung verlieren.

Dass die Börsen Asiens und Europas am Tropf der Wall Street hängen, dürfte sich zu Wochenbeginn zeigen, wenn die US-Finanzmärkte geschlossen bleiben. Einen wichtigen Hinweis auf die an den deutschen Börsen herrschende Stimmung dürfte die Akzeptanz der Fraport-Emission liefern.

Zwar vermuten die meisten Analysten, dass die Weltbörsen die Baisse hinter sich gelassen haben. Weiter schrumpfende Gewinne könnten den Aufschwung der Kurse jedoch ins Stocken geraten lassen, auch wenn die Märkte neue Impulse von der Zinsseite erhalten dürften. Noch können die Börsianer darauf setzen, dass das so genannte "aktive Risikomanagement der US-Konjunktur" durch die Notenbank und die Regierung in Washington an den Aktienmärkten weiterhin Wirkung zeigen wird.

In der größten Volkswirtschaft der Welt dürften das geldpolitische und auch das fiskalpolitische Pulver noch nicht verschossen sein. Alan Greenspan hat anklingen lassen, dass die Politik aufs Neue auf konjunkturelle Schwächesignale reagieren werde. Er dürfte dabei auch an monetäre Lockerungsmaßnahmen, sprich: Zinssenkungen, gedacht haben. Für US-Präsident Bush dürfte das Regieren unterdessen wegen der veränderten Machtverhältnisse im Senat wesentlich schwerer werden. Die Billigung des Steuersenkungspakets in Höhe von 1,35 Billionen US-Dollar (über einen Zeitraum von elf Jahren) durch den Kongress zeigt jedoch, dass es die USA mit Konjunkturanreizen in Form höherer Staatsausgaben ernst meinen.

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