Wirtschaft : Börsenausblick: Banken raten zur Vorsicht an den Börsen

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Anhaltende Gewinnwarnungen sowie verstärkte Hoffnungen auf Leitzinssenkungen in Amerika und Europa bestimmen das Geschehen an den internationalen Börsen. Darunter leiden Aktien, während Anleihen profitieren. In dieses Bild passt das Geschehen vom Freitag: Der Dow-Jones- und Nasdaq-Index sowie der Nemax gaben um mehr als ein Prozent nach, während US-Staatsbonds und Bundesanleihen deutlich zulegten.

Wichtigstes Ereignis am US-Aktienmarkt war die Gewinnwarnung des Pharmakonzerns Merck. Die Börsianer richten ihre Hoffnungen allerdings auf Mittwoch, an dem eine Zinserleichterung der US-Notenbank erwartet wird. Mit Blick auf dieses zentrale Datum dürften die Finanzmärkte an diesem Montag eher zurückhaltend in die neue Handelswoche starten. Die meisten Marktteilnehmer erwarten angesichts des zunehmend eingetrübten Konjunkturbildes eine Senkung des Zinssatzes für Tagesgeld um mindestens 25 Basispunkte, manche rechnen auch mit 50 Basispunkten. Einige Häuser gehen davon aus, dass die Notenbank noch weit mehr tun muss, um ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern. HSBC Securities in New York sieht den Zinssatzam Jahresende nur noch bei 2,75 Prozent.

Parallel zur Entwicklung in USA sehen manche Marktbeobachter auch den Druck auf die Europäische Zentralbank steigen. Dazu trugen die am Freitag veröffentlichten niedrigen Inflationsraten in Sachsen, BadenWürttemberg und Brandenburg, insbesondere aber der überraschend gefallene IfoGeschäftsklimaindex für Mai bei. Dresdner Kleinwort Wasserstein etwa hält eine Senkung des Leitsatzes um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent am 19. Juli für wahrscheinlich. Die Dresdner Bank sieht den Schlüsselzins bis Mitte 2002 sogar auf 3,5 Prozent sinken.

Angesichts des schwierigen Aktienumfeldes zwischen konjunktureller Eintrübung und Zinssenkungshoffnungen dominieren vorsichtige Einschätzungen die Ausblicke der Banken. HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet "einen mit negativem Grundton seitwärts gerichteten Markttrend". Skeptischer ist die GZ Bank, deren Analysten höchstens mit einem kurzfristigen Kursaufschwung rechnen. Die DG Bank hält mit Blick auf weitere mögliche Gewinnwarnungen eines Test der Dax-Marke von 5700 Punkten für möglich, nachdem der Index am Freitag mit 0,3 Prozent bei knapp 5942 Zählern schloss.

Neben der erwarteten Entscheidung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank stehen in dieser Woche weitere wichtige Datenveröffentlichungen aus Amerika an, die Einfluss auf die Börsen nehmen könnten. Dazu zählen insbesondere Verbrauchervertrauen, Auftragseingänge und Zahlen vom Immobilienmarkt am Dienstag. Am Freitag werden Zahlen zum Wirtschaftswachstum sowie der Einkaufsmanagerindex und das Verbrauchervertrauen erwartet. In Deutschland stehen unter anderem die Hauptversammlungen von Deutsche Post und Holzmann (Mittwoch) und Bilfinger & Berger (Donnerstag) auf dem Kalender. Bei Siemens ist eine Analystenkonferenz angesetzt.

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