Börsenausblick : Ein schwarzer Montag?

Zurückhaltung scheint angebracht, Panik aber nicht.

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Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA kam nach Börsenschluss an der Wall Street. Nach diesem Schlag ist die Spannung diesmal besonders groß: Wie werden am Montag die Börsen in Fernost, später in Europa und den USA reagieren? Rauschen die Kurse weiter bergab? Oder haben viele Investoren mit der Herabstufung gerechnet, diese schon eingepreist?

Gegen weitere starke Kursstürze spricht unter anderem, dass die hohen Verluste der letzten Tage eine Chance sind, günstig in Aktien einzusteigen. Anleger würden sich wieder beruhigen und die Situation mit kühlem Kopf betrachten, prognostiziert Thomas Villalta von Jones Villalta Asset Management. Nachdem die abgelaufene Woche der Wall Street die stärksten Verluste seit mehr als zwei Jahren einbrockte, rechne er mit einer Besserung.

Am Dienstagabend um 20.15 Uhr (MESZ) werden sich die Blicke der Anleger nach Washington richten, wo die US-Notenbank über ihren weiteren geldpolitischen Kurs entscheidet. Laut Beobachtern gilt es zwar als sehr unwahrscheinlich, dass Fed-Chef Ben Bernanke an der Zinsschraube dreht – der Leitzins liegt längst bei fast null Prozent. Doch angesichts der sehr mauen Wirtschaftsentwicklung und vor allem der weiter stark angespannten Lage auf dem US-Arbeitsmarkt werden die Rufe nach einer dritten Runde von Staatsanleihenkäufen lauter.

In Deutschland hat der Dax in wenigen Tagen mehr als 1000 Punkte verloren. Er schloss am Freitag bei 6236 Punkten. Die Analysten der DZ-Bank schreiben zum Wochenende, dass sie bereits länger davon ausgegangen sind, dass der Sommer und Herbst „tendenziell schwierig werden“. Kurzfristig könne es wegen der ungeklärten Lage in Italien und Spanien zunächst auch an der Frankfurter Börse noch weiter nach unten gehen. „Für denjenigen, der gezielt nach günstigen Einstiegschancen sucht, ergeben sich jetzt aber Kaufgelegenheiten“, schreiben die DZ-Experten. Sie glauben auch nicht, dass der robuste Aufschwung sofort abbricht. „Ein Ende des Konjunkturzyklus in diesem Jahr ist unwahrscheinlich“.

Verhaltenen Optimismus gibt es auch bei der Landesbank Berlin (LBB): „Die hohe Liquiditätsausstattung sowie die moderaten Bewertungen heimischer Aktien dürften mittelfristig wieder stützend wirken“, schreiben Analysten in ihrem jüngsten Bericht. Insgesamt würden sie aber Anlegern zur Zurückhaltung raten, bis sich eine technische Gegenreaktion an den Märkten abzeichne. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sagte am Samstag: „Die Sichtweise der Märkte wird sich in den nächsten Wochen weiter ausbalancieren.“ Der Wirtschaftsmotor in den aufstrebenden Märkten laufe nämlich weiter kraftvoll. mit rtr/dpa

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