Wirtschaft : Börsenausblick: Hoffnung auf eine Zinssenkung in den USA

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Optimisten haben es derzeit schwer. Das einzige Argument, das für eine Erholung der angeschlagenen Aktienmärkte spricht, ist die frisch angefachte Zinssenkungsfantasie in den USA. Ansonsten sieht das Bild reichlich düster aus, und es hat sich am vergangenen Freitag weiter eingetrübt. Die Technologieriesen Motorola und Sun Microsystem sorgten mit Gewinnwarnungen für schlechte Stimmung in den USA, die Investmentbank Goldman Sachs stufte mit Nokia, Alcatel und Marconi gleich drei wichtige europäische High-Tech-Werte herab. Die Folge: Der Dax fiel um 3,2 Prozent und der Nemax-50-Index sackte erstmals unter die Marke von 2000 Punkten. An den übrigen europäischen Börsen sah die Lage nicht viel besser aus.

"Angesichts der Kursverluste kann der Blick auf die neue Börsenwoche nicht besonders zuversichtlich ausfallen", meinen die Experten der DG Bank. Obwohl die technischen Indikatoren für einen überverkauften Markt sprechen, rechnen die meisten Analysten nicht mit einer schnellen Wende. Doch da ist ja noch die Zinsfantasie. Und die hat in den USA neue Nahrung bekommen. Nach Einschätzung des Wertpapierhauses Bear Stearns liegt die Chance für eine Senkung der US-Leitsätze noch in dieser Woche bei 60 Prozent. Der Report reichte aus, um am Freitag die US-Technologiebörse Nasdaq doch noch ins Plus zu ziehen. Nach Einschätzung von Morgan Stanley Dean Witter können Zinssenkungen alleine aber nicht für eine Trendwende sorgen. Die Bank nennt zwei weitere Bedingungen: Attraktivere Bewertungen und deutliche Zeichen für eine Konjunkturerholung in den USA.

Weil die Technologiewerte in der Krise stecken, wenden die Anleger ihre Gunst den Substanzwerten zu. Viele dieser jahrelang vernachlässigten Titel werden von den Investoren jetzt neu entdeckt. So konnten beispielsweise die Aktien des Baukonzerns Bilfinger + Berger in den vergangenen vier Wochen um knapp 40 Prozent zulegen, jene von Hochtief stiegen um rund 35 Prozent, Vossloh legte etwa 29 Prozent zu. In dieser Woche legen gleich eine ganze Reihe von Werten aus der mittlerweile wieder geschätzten "Old Economy" Zahlen vor. Auf dem Unternehmenskalender stehen unter anderem Ergebnisse von RWE, Linde, Escada und Thyssen. Daneben will Daimler-Chrysler seine Sanierungspläne vorstellen.

Auf der Zinsseite werden wohl vor allem die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und in den Vereinigten Staaten sowie die Daten zum US-Auftragseingang und zum US-Einkaufsmanager-Index im Blickpunkt stehen. Dank der neuen Zinssenkungsfantasie werden die Anleger noch gespannter als sonst auf die Äußerungen von US-Notenbank-Präsident Alan Greenspan warten, der in dieser Woche vor mehreren Ausschüssen des amerikanischen Kongresses sprechen wird.

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