Wirtschaft : Börsenausblick: Hoffnung auf steigende Kurse nimmt ab

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"Die Gefahr einer Ernüchterung ist groß." Mit diesen Worten bringt die Frankfurter DZ-Bank ihre Einschätzung der heute beginnenden Börsenwoche auf den Punkt. Nach den Kursgewinnen der vergangen Woche, die vor allem von den Zinssenkungen dies- und jenseits des Atlantiks sowie der Hoffnung auf eine rasche konjunkturelle Erholung provoziert worden waren, wird sich der Blick der Investoren jetzt wieder der realen Wirtschaftslage zuwenden.

Die bietet wenig Anlass zur Euphorie: Elf Dax-Unternehmen werden im Laufe der Woche ihre Zahlen für das dritte Quartal präsentieren, und da ist wenig Gutes zu erwarten. Die DZ-Bank ist auch auf Grund der Fundamentaldaten skeptisch. Die Hoffnung, die Konjunktur in den USA werde sich bereits im kommenden Frühjahr wieder spürbar beleben, erscheine nach den jüngsten Konjunkturdaten sehr optimistisch. So haben die DZ-Analysten ihre US-Wachstumsprognose für das Jahr 2002 gerade von 1,5 Prozent auf 0,4 Prozent nach unten revidiert und rechnen auch für das erste Quartal mit einer schrumpfenden Wirtschaft. Aus Sicht der Chartanalyse habe der Ausbruch des Dax über die Marke von 4800 Punkten zwar ein positives Signal für diese Börsenwoche geliefert; charttechnisch sei nun Kurspotenzial in Richtung des nächsten Widerstands bei 5150 Punkten gegeben.

Doch das unsichere fundamentale Börsenumfeld - insbesondere die Angst vor neuen Terrorattacken - lasse die Nachhaltigkeit dieses Ausbruchsversuchs zweifelhaft erscheinen, urteilt Heinz Weyershäuser von der DZ Bank. "Der Dax ist an der oberen Trendlinie angekommen", sagt auch Michael Riesner, technischer Analyst bei Helaba Trust. Mehr als 5000 Punkte seien derzeit nicht drin: "Jetzt muss der Markt erst einmal Luft holen." Außerdem dürften einige Unternehmensnachrichten die Stimmung erneut eintrüben. Diese Gefahr bestehe vor allem dann, wenn der Ausblick des Managements wenig Hinweise auf eine baldige Geschäftsbelebung enthalte, was vor allem für die großen zyklischen Dax-Titel wie BASF, Bayer und Linde zutreffen könnte, so Weyershäuser.

Die Berenberg Vermögensverwaltung ist optimistischer. Ihrer Ansicht nach "stehen die Ampeln für eine freundliche Börsentendenz auf Grün". Die weltweit reichlich vorhandene Liquidität solle den Kursen Unterstützung bieten. Vor allem institutionelle Anleger hätten vielfach noch hohen Anlagebedarf. Allerdings räumt die Bank ein, die politische Lage stelle noch einen "Unsicherheitsfaktor" dar.

Die Analysten von Delbrück Asset Management ergänzen, eine Liquiditätshausse sei "nur heiße Luft" für die Aktienmärkte. Die aktuell positive Aktienstimmung müsse durch verbesserte Konjunktur- und Unternehmensdaten untermauert werden. Daher könne die Liquiditätshausse bis Jahresende ins Stocken geraten, beziehungsweise vorübergehend ausgesetzt werden. Nach Ansicht der Ceros Vermögensverwaltung hat es den Anschein, dass die Kurse "ihren Boden gesehen haben". Wie lange sich der Trend fortsetze, dass Kursrückschläge konsequent zum Einstieg genutzt würden, ist laut Ceros schwer zu prognostizieren: "Sicher ist jedoch, dass die Investoren angesichts der instabilen wirtschaftlichen und politischen Lage äußerst nervös bleiben dürften und es jederzeit zu Gewinnmitnahmen kommen kann."

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