Wirtschaft : Börsenausblick: Spannung in der Technologiebranche

Die Ergebnisse großer Technologie- und Telekomkonzerne werden in dieser Woche die Börsen Europas bewegen. Am Dienstag veröffentlichen die Deutsche Telekom und der Softwareanbieter SAP ihre Jahreszahlen. Es folgen die skandinavischen Mobilfunkschwergewichte, am Freitag Ericsson und am Dienstag nächster Woche Nokia. "Von den Ergebnissen dürfte mit abhängen, ob der jüngste Aufwärtstrend bei europäischen High-Tech-Werten anhält", sagte Analyst André Jäkel von der BHF-Bank. Bankexperten halten heftige Kursreaktionen bei SAP, Ericsson und Nokia für möglich.

Vergangene Woche legten SAP-Aktien bereits kräftig zu. Europas größter SoftwareKonzern übertraf beim Umsatzwachstum die zuvor deutlich reduzierten Erwartungen. Am Dienstag könnten Anleger jedoch Gewinne mitnehmen, warnt Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck. "Das Muster ist immer gleich. Vor Bekanntgabe der Zahlen steigt der Kurs, weil es Hoffnung auf positive Überraschungen gibt. Wenn die Zahlen dann raus sind, fällt die Aktie, egal was berichtet wurde", sagte Kitz.

Andere Experten halten indes weitere Kursgewinne für möglich. "Sollte es SAP gelingen, die Marke von 200 Euro zu überspringen, ist nach oben hin noch einiges möglich", sagte Gero Breuer von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Bei Nokia erwarten viele Bankexperten gar keine oder negative Kursreaktionen. Bislang konnte der weltgrößte Handyhersteller die Erwartungen immer wieder übertreffen. Doch vor einigen Tagen äußerte der finnische Ausnahmekonzern sich überraschend gedämpft: Nach eigenen Angaben hat Nokia im vergangenen Quartal deutlich weniger Mobiltelefone verkauft als erwartet. An der Börse wird Nokia höher bewertet als die Konkurrenten Ericsson und Siemens zusammen. "Daher hat die Aktie nach oben wenig Luft", sagte BHF-Experte Jäkel.

Völlig offen erscheint die Lage bei Ericsson. Einerseits lauten Marktgerüchte, dass die Schweden im Handygeschäft noch mehr Verlust ausweisen als bislang bekannt. Analyst Kitz befürchtet deshalb am Freitag eine negative Überraschung. Andererseits setzen Anleger auf die Infrastruktursparte von Ericsson. Denn beim Aufbau von Mobilfunknetzen der nächsten Generation sind die Schweden stark. Insgesamt liegt die Messlatte der Erwartungen laut Analysten bei Ericsson niedriger als beim Erzrivalen Nokia. Aktien der Deutschen Telekom haben in den vergangenen Tagen von vorab veröffentlichten Geschäftszahlen profitiert: Seit Jahresbeginn haben die Titel sich aus ihrem langen Abwärtstrend befreit. "Vielleicht nutzt die Telekom am Dienstag die Chance, ein positives Signal zu setzen", sagt Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Der Markt könnte das als Trend für die kommenden Monate sehen. Insgesamt erwarten Bankexperten, dass die Kurserholung bei Telekom- und Technologiewerten vorerst anhält.

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