Wirtschaft : Börsencrash: Anleger verlieren das Vertrauen in die Aktienmärkte

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Die Talfahrt an den weltweiten Aktienmärkten hat sich am Mittwoch nahezu ungebremst fortgesetzt. Der Dax verlor 2,83 Prozent gegenüber dem Vortag und notierte schließlich beim Stand von 5794,12 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax-50 4,79 Prozent nach und schloss bei 1700,66 Punkten. Zwischenzeitlich war der Index der Technologiebörse auf den historischen Tiefstwert von 1641 Punkten gerutscht. "Deutschland ist stark unter Druck", analysierte in London Händler David Butler von Teather and Greenwood. "Die Menschen haben einfach das Vertrauen in die Märkte verloren." Auch an den anderen Märkten in Europa ging es bergab, die US-Börsen eröffneten mit drastischen Kursverlusten und notierten auch im Handelsverlauf mit Kursverlusten. Analysten bezeichnen den derzeitigen Absturz inzwischen als eine der schwersten Aktienkrisen seit der Rezession Anfang der 80er Jahre.

Im Handelssaal der Frankfurter Börse sank die Stimmung auf einem weiteren Tiefpunkt. Kursmakler Joachim Llambi flüchtet sich in Sarkasmus: "Ich stoße mit Apfelschorle auf den Umschwung an", sagt er und hebt sein Glas, als die Dax-Kurve auf der großen Tafel kurzfristig einen leichten Knick nach oben macht. Licht am Ende des Tunnels? "Das könnten die Scheinwerfer des entgegenkommenden Zuges sein", sagt Dieter Heinemann, der sich hinter der Maklerschranke unter anderem um Chemieaktien kümmert. "Seit 1982 ist es an der Börse aufwärts gegangen, warum soll es jetzt nicht auch einmal runter gehen." Dass die Talfahrt so lange anhalten würde, hätte allerdings auch er nicht gedacht. Dass die Kurse derzeit nur eine Richtung kennen, erklären die Profis mit der Flut von schlechten Firmennachrichten, die den eingetrübten Konjunkturaussichten und lahmenden Wirtschaft in den USA. Die Inflationsrate liegt weiter deutlich über zwei Prozent, was Zinssenkungen in Europa unwahrscheinlich macht. Dazu kam am Mittwoch die Meldung, dass die Daiwa-Bank, eine der größten japanischen Banken, mit erheblichen Problemen kämpft. Zudem fließen offenbar immer mehr Gelder an Investmentfonds zurück, was Fondsmanager unter Verkaufsdruck setzt. Die Folge: Am Mittwoch waren die Umsätze außergewöhnlich hoch.

Die Börsenwerte der im Dax gewichteten Konzerne schrumpften allein am Mittwoch rein rechnerisch um vorübergehend mehr als 100 Milliarden Mark. Am Dienstag waren die 30 "Blue-Chips" nach Angaben der Deutsche Börse noch mit einer Marktkapitalisierung von zusammen rund 825 Milliarden Euro aus dem Handel gegangen. Seit Jahresbeginn büßten die "Top 30" rund 13 Prozent oder 114 Milliarden Euro ein.

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