Wirtschaft : Börsencrash: Schwarzer Tag auf dem Parkett

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Eine erneute Verkaufswelle hat am Mittwoch weltweit die Börsen erschüttert. Die Hoffnung auf eine Erholung der Kurse wurde am Nachmittag enttäuscht, als der New Yorker Aktienmarkt zum Handelsbeginn einbrach. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor zwischenzeitlich knapp fünf Prozent, am Neuen Markt stürzten die Kurse um fast neun Prozent ab. Aktionärsschützer und Banken warnten vor Panikreaktionen und empfahlen Privatanlegern, die Nerven zu behalten. Hintergrund des Ausverkaufs sind anhaltend schlechte Konjunkturaussichten und Gewinnwarnungen zahlreicher Unternehmen.

Gleich nach der Eröffnung des Handels war der Dow-Jones-Index in New York um mehr als 300 Punkte unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Zählern gerutscht. Im Verlauf erholten sich die Kurse dann wieder. Auch an der Frankfurter Börse setzte daraufhin eine Berg- und Talfahrt der Aktien ein. Der Dax konnte einen Teil seiner Verluste wieder ausgleichen, lag am Abend aber mit 5836 Punkten immer noch um 2,1 Prozent niedriger als am Dienstag. Der Wachstumswerteindex Nemax-50 büßte zuletzt 2,7 Prozent auf 1737 Zähler ein. Vor einem Jahr hatte das Kursbarometer des Neuen Marktes noch bei mehr als 9000 Punkten gelegen. Auch in London und Paris mussten Anleger herbe Verluste hinnehmen. An der Amsterdamer Börse wurde der Handel zeitweise wegen zu großer Kursschwankungen unterbrochen.

Aktionärsvertreter rieten angesichts der Börsentalfahrt von überstürzten Aktienverkäufen ab. Rüdiger von Rosen, Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts, warnte davor, Privatanleger nun mit übertriebenem Pessimismus "aus dem Markt zu prügeln". Für langfristig orientierte Aktiensparer bestehe aktuell keine Notwendigkeit, ihre Depots aufzulösen. Jörg Pluta, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sprach von einer "vorübergehenden Hysterie" und empfahl Anlegern, Ruhe zu bewahren. Vor weiteren Aktienkäufen sollten Anleger aber noch genauer als bisher die Solidität ihrer Geldanlage prüfen.

Die Perspektiven für die Börse bleiben indes nach Meinung der Experten düster. Nach einer Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch hat sich das Risiko einer Rezession in den USA nach Einschätzung von Fondsmanagern seit Dezember nahezu verdoppelt. Sie bewerten die Wahrscheinlichkeit mit 45 Prozent. Auch die Konjunkturaussichten in Deutschland trüben sich ein. Am Mittwoch nahm auch das Hamburgische Weltwirtschafts-Archiv (HWWA) seine Wachstumsprognose für 2001 von 2,7 Prozent auf 2,3 Prozent zurück. Die jüngsten Wachstumsprognosen der Institute und Banken bewegen sich in einer Bandbreite zwischen 2,1 Prozent und 2,3 Prozent. Die Bundesregierung geht von 2,7 Prozent aus.

Von den Kursverlusten besonders hart getroffen wurden am Mittwoch so genannte Standardwerte, die sich bislang im Vergleich zu den stark gefallenen Technologieaktien stabil gehalten hatten. So setzten Bedenken über die künftige Absatzentwicklung vor allem Aktien von Autoherstellern unter Druck. Bankaktien litten unter einer Herabstufung deutscher Großbanken durch die Investmentbank Goldman Sachs.

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