Wirtschaft : Börsenexperte entlastet die Haffas Rudolph: Management kann Kurse nur bedingt beeinflussen

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München (nad). Im Strafprozess gegen die Gründer des Medienunternehmens EM.TV, Thomas und Florian Haffa, hat ein Börsenexperte dem Brüderpaar mit seinen Aussagen geholfen. „Es gibt keine monokausalen Ursachen für die Veränderungen von Aktienkursen“, sagte Bernd Rudolph, Wirtschaftsprofessor an der Münchner Universität, am Montag vor dem Landgericht München. Rudolphs Ansicht nach ist es kaum möglich herauszufinden, inwieweit ein Einzelereignis einen Aktienkurs tatsächlich beeinflusst. Der Markt folge immer „multiplen Logiken“, meinte der Börsenexperte.

Von Rudolphs Erklärungen über die Entstehung von Aktienkursen und Möglichkeiten zur Manipulation der Kurse erhofften sich die Richter Aufschluss über die Frage, inwieweit die Haffas den Kurs der EM.TVAktie absichtlich beeinflusst haben. Diese Frage ist in dem Prozess von zentraler Bedeutung, weil den Haffas nur dann eine Haftstrafe droht, wenn das Gericht nachweisen kann, dass die Brüder den Aktienkurs bewusst manipuliert haben. Kann das Gericht keinen direkten Zusammenhang zwischen ihren Taten und der Kursentwicklung belegen, kommen Thomas und Florian Haffa wahrscheinlich mit einer Geldstrafe davon, weil es sich in diesem Fall nur um eine Ordnungswidrigkeit handelt.

Börsenexperte Rudolph sagte, wichtige Einflussgrößen für die Entwicklung von Aktienkursen seien Informationen, Meinungen und Einschätzungen über börsennotierte Unternehmen. Zudem könne man einen Wert an der Börse nie isoliert betrachten. „Die meisten Werte laufen miteinander. Gerade am Neuen Markt war deutlich ein Herdenverhalten zu erkennen“, sagte er. „Dabei gucken die Anleger oft nicht mehr auf fundamentale Werte, sondern nur noch auf die Werte, auf die auch die anderen gucken.“ Die Manipulation von Kursen durch das Management eines Unternehmens sei daher kaum nachweisbar, sagte der Sachverständige.

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